Begriffsabgrenzung
Beschaffung
Beschaffung umfasst alle Tätigkeiten, die darauf
gerichtet sind dem betrieb die benötigten Mittel bereit zu stellen.
Objekte der
Beschaffung:
- Anlagegüter
- Roh-, Hilfs-, Betriebsstoffe
- Fertig- u. Halbfertigerzeugnisse
- Personal
- Finanzmittel
- Rechte
- Dienstleistungen
- Informationen
Beschaffung im
engeren Sinne:
- Ermittlung von Bedarfsmengen und Bedarfsterminen
- Lieferantenauswahl
- Vertragsgestaltung
- Terminsicherung
Beschaffung
im weiteren
Sinne:
- Ermittlung von Bedarfsmengen und Bedarfsterminen
- Lieferantenauswahl
- Vertragsgestaltung
- Terminsicherung
- Lagerung
- Versorgung der Produktionsstätten
Einkauf
Der Begriff Einkauf wird enger gefasst als
Beschaffung. Der Einkauf ist ein Teilbereich der Beschaffung und ist
aufgrund vorliegender Bedarfszahlen zuständig für die Beschaffung von
- Anlagegüter
- Roh-, Hilfs-, Betriebsstoffe
- Fertig- und Halbfertigerzeugnisse
- Dienstleistungen
- Information
(nicht: Kapital und Arbeitkräfte!)
Aufgaben des
Einkaufs
- Lieferantenauswahl
- Vertragsgestaltung
- Terminsicherung
Logistik
Logistik
ist
der
Prozess
- der Planung
- der Realisierung
- der Kontrolle
des effizienten, kosteneffektiven Fließens und Lagerns
von Rohstoffen, Halbfabrikaten und Fertigerzeugnissen und der damit
zusammenhängenden Informationen vom Liefer- zum Empfangspunkt
entsprechend der Anforderungen des Kunden.
Optimierung des Waren- und Infoflusses.
Materialwirtschaft
Materialwirtschaft befasst sich mit Fragestellungen
des Einkaufs, der Qualitätsprüfungen, der Materialverwaltung und des
innerbetrieblichen Transports Abfallverwertung und Entsorgung.
Funktionen
der
Materialwirtschaft
- Disposition
- Einkauf
- Lager- und Vorratswirtschaft
- Transport
- Entsorgung
Aufgaben der
Materialwirtschaft: (sechs "R")
- richtigen Ort (außerbetr. / innerbetr. Transport)
- richtigen Zeit (Terminfestlegung /
Terminsicherung)
- richtige Menge (so viel wie nötig, so wenig wie
möglich)
- richtige Qualität (Qualitätssicherung)
- richtiger Preis (optimale Kosten)
- richtige Objekte (Güter, Informationen,
Dienstleistung)
dem Fertigungsbetrieb zur Verfügung steht.
Integrierte Materialwirtschaft
Umfasst zusätzlich zu den 5 Funktionen der
Materialwirtschaft auch die Fertigungsplanung, Fertigungssteuerung und
Produktion.
Supply Chain Management (SCM)
= Steuerung der gesamten Zulieferkette
SCM wird als Konzept verstanden, das die ganzheitliche
Betrachtung des Material- und Informationsflusses von der
Rohstoffgewinnung bis hin zum Endkunden umfasst.
SCM betrachtet den gesamten Logistikprozess
Ziel:
- geringe Kosten
- Termintreue
- kurze Transportzeiten / Durchlaufzeiten
- Kapazitätsauslastung
- geringe Lagerbestände
Ziele und Zielkonflikte in der Materialwirtschaft
- hohe Lieferbereitschaft
- hohe Maschinenauslastung
- niedrige Bestände
- niedrige operative Kosten
- kurze Durchlaufzeiten
Beispiel:
Erfolgswirksamkeit von Materialkosteneinsparung
"Im Einkauf liegt der Gewinn"
Angenommen der Anteil des materialwertes am Umsatz
beträgt 50% und die Kapitalrendite 5% vor Steuern. Eine Verminderung der
Materialkosten um 2% durch preisgünstigen Einkauf, kommt einer
Steigerung des Verkaufsumsatzes von 20% gleich.
(bei konstanter Absatzmenge und konstanten Verkaufspreisen).
Beweisrechnung

Ansiedlung der Materialwirtschaft im Unternehmen
Darstellung anhand
der Aufbauorganisation
Unter Aufbauorganisation versteht man die Gliederung
(strukturelle Ordnung) des Unternehmens in abgegrenzte
Verantwortungsbereiche (z. B. Stellen, Abteilungen) und Darstellung
deren Rang- und Beziehungsstruktur.
Der betriebliche Aufbau wird mit Hilfe eines
Organisationsplanes (Organigramm) dargestellt.
Zentrale
Materialwirtschaft bei funktionaler Gliederung
Da die Materialwirtschaft eine erhebliche Bedeutung im
Unternehmen hat, sollte sie in der obersten Leitungsebene eingegliedert
werden. Um ihre Aufgaben erfüllen zu können ist es wichtig, dass die
Materialwirtschaft gleichbedeutend wie andere Funktionen agieren kann
und dadurch auch ein optimaler Informations- und Kommunikationsfluss zu
anderen Bereichen besteht.

Zentrale Handhabung
der Materialwirtschaft durch eine (Haupt-) Funktion
Die Materialwirtschaft wird unter einen
Funktionsbereich eingegliedert. In diesem Fall empfiehlt sich die
Eingliederung der zentralen Verantwortung für die Materialwirtschaft in
den Bereich, für den sie die größte Bedeutung hat. (z. B. bei einem
Betrieb mit anspruchsvollen techn. Artikel mit hohem Qualitätsstandard
eine Unterordnung zu dem Bereich Technik).

Materialwirtschaft
im divisional gegliederten Unternehmen
Das divisional aufgebaute Unternehmen, auch
"mehrgliedriges Unternehmen" genannt, besteht aus Zentralabteilungen mit
grundlegenden Aufgaben für das Gesamtunternehmen sowie für
Unternehmensbereiche mit relativer Selbstständigkeit.

Bedarfsermittlung und Bedarfsanalyse
Bedarfsarten
- Primärbedarf
Bedarf an verkaufsfähigen Einheiten, in der Regel = Enderzeugnisse.
Bei Ersatzteillieferungen auch Baugruppen oder Einzelteile. Der
Primärbedarf wird ermittelt aus
- vorliegenden Kundenaufträgen
- zusätzlichem Bedarf aufgrund von
Erfahrungswerten
- Sekundärbedarf
Bedarf an Baugruppen, Teilen und Rohstoffen zur Fertigung des
Primärbedarfs.
Ergibt sich aus Primärbedarf, indem für diesen eine
Stücklistenauflösung durchgeführt wird.
- Tertiärbedarf
Bedarf an Hilfsstoffen (gehen in das Erzeugnis ein, spielen
wertmäßig eine untergeordnete Rolle) und an Betriebsstoffen
(gehen nicht in das Erzeugnis ein, werden aber zu dessen Herstellung
ge- oder verbraucht) und an Verschleißteilen (Werkzeuge, die
nach Gebrauch verschrottet werden oder Werkzeuge, die ergänzt werden
für bestimmte Zwecke)
- Zusatzbedarf
- Ersatzteile für den Endkunden
- Ausschuss / Schwund
- für Ungenauigkeit der Bedarfsvorhersage
- Bruttobedarf
Gesamter Bedarf innerhalb einer Periode, ermittelt aus der Summe
von Sekundärbedarf und Zusatzbedarf
- Nettobedarf
Bruttobedarf abzüglich disponierbarer Lagerbestand
Beispiel:
Nettobedarfsrechnung
Annahme: Fertigerzeugnisse, die beschafft und wieder
veräußert werden

Übungsaufgabe:
Nettobedarfsrechnung
Neben anderen Teilen enthält das Erzeugnis E1 3 Stück
der Materialdisposition T2. Der Primärbedarf verteilt sich auf 6
Perioden (20, 25, 22, 25, 20, 24 Stück in der Reihenfolge der Perioden).
Der Zusatzbedarf beträgt pro Periode 5 Stück von T2.
Zu Beginn der 1. Periode liegt ein verfügbarer Lagerbestand von 110
Stück T2 und ein Bestellbestand von 60 Stück vor. Mit Eingang der
Bestellung wird in der 4. Periode gerechnet.
Führen Sie anhand dieser Daten eine
Nettobedarfsrechnung durch. Achten Sie auf systemgerechten Aufbau.

Methoden der Bedarfsermittlung
Dispositionsverfahren
- deterministisch
Plan-, Auftragsgesteuerte Verfahren
- analytisch - Stückliste
- synthetisch - Teileverwendung
- stochastisch
richtet sich nach Erfahrungswert
- Mittelwertbildung
- exponentielle Glättung
- Bestellpunktverfahren
- Bestellrhythmusverfahren
- subjektive Schätzung
ohne Vergangenheitswerte, ohne Planwerte
Stochastische Bedarfsermittlung
= verbrauchsgesteuerte Bedarfsermittlung
orientiert sich an Daten der Vergangenheit
Arten:
- Mittelwertbildung
- exponentielle Glättung
- Bestellpunktverfahren
- Bestellrhythmusverfahren
Bei allen
Berechnungsmethoden ist die Vorgehensweise gleich:
Auf Basis der Verbrauchswerte der Perioden wird durch
unterschiedliche Berechnungen ein Mittelwert ermittelt und dieser als
Prognoseverbrauch für die nächste Periode bestimmt.
Mittelwertbildung
Arithmetischer
Mittelwert
Alle vorliegenden Perioden eines Jahres werden
verwendet.
Alle bisher angefallenen Verbrauche werden addiert und der
Durchschnittswert für die Prognose verwendet
Gleitender
Mittelwert
Nur eine bestimmte konstante Anzahl von Perioden wird
verwendet.
- Nur eine bestimmte Anzahl der Letztverbrauche
wird verwendet.
- Für die Berechnung entfällt der älteste
Verbrauchswert und ein neuer kommt hinzu
Gewichteter
gleitender Mittelwert
Die einzelnen verwendeten Perioden werden mit einem
Gewichtungsfaktor versehen (z. B. saisonale Schwankungen).
- der Gewichtungsfaktor kann je Periode immer
gleich sein (z. B. saisonbedingt)
oder:
- der Gewichtungsfaktor ist immer dann geringer, je
älter der Verbrauchswert ist.
Beispie:
Mittelwertbildung
| Monat |
Jan. |
Feb. |
März |
Apr. |
Mai |
Juni |
Juli |
Aug. |
Sept. |
Okt. |
Nov. |
Dez. |
| Verbrauch |
80 |
100 |
90 |
110 |
90 |
120 |
130 |
110 |
140 |
130 |
150 |
140 |
arithmetischer Mittelwert
(Berücksichtigung aller Monate)

gleitender Mittelwert
(unter Berücksichtigung der letzten 4 Monate)

gewichteter gleitender Mittelwert
(unter Berücksichtigung der letzten 4 Monate und der Gewichtung: Jun 0,1
/ Jul 0,15 / Aug 0,3 / Sept 0,45)
| |
|
|
Prognose für Okt = |
0,1 x 120 + 0,15 x 130 + 0,3 x 110
+ 0,45 x 140 |
| |
= 12 + 19,5 + 33 + 63 = 127,5 - 128 |
| |
|
|
Prognose für Nov = |
0,1 x 130 + 0,15 x 110 + 0,3 x 140
+ 0,45 x 130 |
| |
= 13 + 16,5 + 42 + 58,5 = 130 |
| |
|
|
Prognose für Dez. = |
0,1 x 110 + 0,15 x 140 + 0,3 x 130
+ 0,45 x 150 |
| |
= 11 + 21 + 39 + 67,5 = 138,5 - 139 |
Exponentielle Glättung
exponentielle
Glättung 1. Ordnung
Prognosewert wird mit tatsächlichem Verbrauchswert
abgeglichen. Die entstandene Abweichung mit einem Glättungsfaktor
a berücksichtigt.
Die Abweichung wird zu 100% berücksichtigt bei einem
Faktor von 1,0 und nicht berücksichtigt bei Faktor 0.
Vn = Va + a
* (Vt - Va)
Vn Vorhersagebedarf für neue Periode
Va Vorhersagebedarf für alte Periode
Vt tatsächlicher Verbrauch für alte Periode
a Glättungsfaktor (zwischen 0 und 1)
- Vergangenheitswerte gehen nicht gleichmäßig in
die Prognose ein
- Verfahren eignet sich bei relativ konstantem
Verbrauch evtl. Schwankungen sind vorhanden, die aber nicht
ausgemacht werden können
- je höher man a wählt,
desto schneller und stärker passen sich die neuen Vorhersagewerte
dem tatsächlichen Verbrauch an. (reagieren aber auch stärker auf
Zufallsschwankungen)
Beispiel:
Exponentielle Glättung 1. Ordnung (mit Verschiedenen a)
Gegeben:
Va = 100
Vt = 150
a1
= 0,1
a2 =
0,2
a3 =
0,5
a4 =
1,0
Lösung:
Vn1 = 100 + 0,1 * (150 + 100) = 105
Vn2 = 100 + 0,2 * (150 + 100) = 110
Vn3 = 100 + 0,5 * (150 + 100) = 125
Vn4 = 100 + 1,0 * (150 + 100) = 150
Der tatsächliche Verbrauch unterliegt Schwankungen, somit
ist die Prognose umso genauer, je höher a
ist. Allerdings erfolgt die Berücksichtigung der Schwankung immer erst
im Nachhinein.
Exponentielle Glättung 2. Ordnung
- eignet sich für trendförmige Bedarfsermittlung
- berücksichtigt saisonale Schwankungen
- erlaubt eine Prognose bei nicht konstanten
Verbrauchsverläufen
- Zufallsschwankungen bleiben unerkannt
- genauer als exponentielle Glättung 1. Ordnung
- aufwendige Berechnung
Regressionsanalyse
- liefert zuverlässige Vorhersagewerte bei
trendförmigen Verbrauchswerten
- anhand von Vergangenheitswerten wird mittels
einer mathematischen Funktion der künftige Verbrauch bestimmt
- sehr komplexes Verfahren
Bestellpunktverfahren und Bestellrhythmusverfahren
Gemeinsamkeiten beider Verfahren:
- Planungsgrundlage ist der buchmäßige Lagerbestand
- Voraussetzung: funktionierende
Bestandsfortschreibung
- Ziel:
Zur Wiederauffüllung des Lagers eine Bestellung so termingerecht zu
erteilen, dass bis zur Verfügbarkeit des neuen Materials jede
Bedarfsanforderung abgedeckt ist.
- Geringer Dispositionsaufwand, Unsicherheiten
werden durch Sicherheitsbestand abgefangen.
Bestellpunktverfahren (Mengensteuerung)
Überwachung der Lagerabgänge und bei Erreichen des
Bestellpunktes / Meldebestands Auslösen einer Bestellung. Die
Bestellmenge ist in der Regel immer gleich hoch - die Bestellungen
erfolgen in der Regel nicht in regelmäßigen Abständen.
Bestellmenge = konstant
Bestellzeitpunkt = variiert

Konstante Form der Sägezahnkurve, weil der Verbrauch
gleichmäßig ist - nur deshalb sind die Abstände, in denen bestellt wird,
gleich.
Realistischere
Darstellung:

Merkmale:
- geringe Gefahr der Unterdeckung
- geeignet für Güter, bei denen ein hoher
Servicegrad verlangt wird
- führt tendenziell zu hohen Beständen
- hoher Kontrollaufwand
- durch ständige Bestandskontrolle geeignet für
Güter mit unregelmäßigem Bedarf
- geeignet für A-Güter
Begriffe:
Bestellpunkt
Zeitpunkt, an welchem bestellt werden muss, um die
Versorgung während der Wiederbeschaffungszeit sicher zu stellen.
Meldebestand
Erreicht der Lagerbestand diese Bestandshöhe, dann ist
eine neue Bestellung auszulösen.
Meldebestand = Mindestbestand + (Verbrauch/Periode *
Wiederbeschaffungszeit)
Wiederbeschaffungszeit:
Zeitbedarf für
WBV = Wiederbeschaffungsvorlauf
(Bedarfsermittlung, Bestellvorbereitung, Bestellerteilung)
LZ = Lieferzeit
(Bestellannahme, Fertigungs- u. Abnahmezeit beim Lieferanten)
WBN = Wiederbeschaffungsnachlauf
(Transport, Warenannahme, Kontrolle, Einlagerung).
Sicherheitsbestand
dient zur Abdeckung von Bestands-, Bedarfs- und
Bestellunsicherheiten. Er steht für unvorhergesehene Ereignisse zur
Verfügung und darf daher zur laufenden Disposition nicht verwendet
werden.
Unsicherheiten können z. B. sein:
- unvorhergesehene erhöhte Nachfrage (Aufträge)
- Ausschuss in der Produktion
- Lieferverzögerungen der Lieferanten
Bestellrhythmusverfahren (Terminsteuerung)
Der Bestand wird nur in einem bestimmten periodischen
Rhythmus überprüft. Die Bestellmenge kann variieren. (z. B. bei
Kleinmaterialien mit annähernd gleichem Verbrauch).
Bestellzeitpunkt = konstant
Bestellmenge = variiert

Merkmale:
- es wird nur in festen Zeitintervallen (=
Bestellrhythmus) nachbestellt
- Gefahr der Unterdeckung bei unregelmäßigem Bedarf
- sinnvoll, wenn Lagerabgangsrate relativ konstant
- geringer Verwaltungsaufwand
- C-Güter
Deterministische Bedarfsermittlung
Die deterministische Bedarfsermittlung dient einer
exakten Bestimmung des Materialbedarfs nach Menge und Termin. In erster
Linie der Ermittlung des Sekundärbedarfs bei bekanntem Primärbedarf.
Arten:
- analytisch (Stücklistenauflösung)
- Auflösung nach Mengenstücklisten
- Auflösung nach Fertigungsstufen
- Auflösung nach Dispositionsstufen
- synthetisch (Teileverwendungsnachweis)
Ausgangsdaten:
- Absatz- oder Produktionsplan = Primärbedarf
- Erzeugnisstruktur bzw. Stücklisten = Bedarf je
Einheit
- Durchlaufzeiten / Fabrikkalender = Zeitliche
Verteilung des Bedarfs
Vor- und Nachteile:
- niedrige Sicherheitsbestände
- genaue Bestelltermine und Bestellmengen
- aufwendige Vorbereitungen, hoher Rechenaufwand
- Änderungen im Produktionsplan, der Konstruktion,
Durchlaufzeit, Beschaffungszeit führen sofort zu Unsicherheiten und
Risiken.
Analytisch (Stücklistenauflösung)
Ausgangspunkt ist der Primärbedarf. Aufgrund von
Stücklisten wird der Bedarf über Baugruppen bis zu den einzelteioen
zergliedert.
Stückliste:
die Stückliste enthält die Mengen aller Gruppen, Teile
und Rohstoffe, die für die Fertigung einer Einheit des Erzeugnisses oder
einer Gruppe erforderdlich sind.
Stücklistenarten
Mengenstückliste:
sie fasst den gesamten Bedarf an Baugruppen,
Einzelteilen und Rohstoffen für ein bestimmtes Erzeugnis zusammen.
- einfachste Form der Stücklistendarstellung
- Mengen werden über die Fertigungsstufen
zusammengefasst
Strukturstückliste:
Sie beschreibt ein Erzeugnis in seiner konstruktiven
und fertigungstechnischen Gliederung.
- enthält alle Baugruppen und Teile in
strukturierter Form
- mehrfach verwendete Baugruppen/Teile wiederholen
sich
Baukastenstückliste:
Hier wird jede Gruppe einzeln entsprechend dem
Baukastenprinzip behandelt.
- für ein mehrgliedriges Produkt -> mehrere
Stücklisten
- Mengenangaben beziehen sich auf die übergeordnete
Baugruppe
Auflösung nach
Mengenstücklisten
eine Dispositionsrechnung, die die zeitliche
Verteilung eines Bedarfs entsprechend des Produktionsablaufs
berücksichtigen soll ist anhand der Mengenstückliste nicht möglich. (Die
Mengenstückliste berücksichtigt keine Vorlaufzeiten.)
Nur sinnvoll bei:
- Betrieben mit einfachen Fertigungsstrukturen
- Produkten mit kurzen Durchlaufzeiten
- Erzeugnisprogramm mit wenig Mehrfachverwendungen
Beispiele
unterschiedlicher Stücklistenarten

Auflösung nach Fertigungsstufen
- Die analytische Auflösung nach Fertigungsstufen
geht von der zeitlichen Reihenfolge des Zusammenbaus aus.
- Endproduktmontage = F 0 (Fertigungsstufe 0)
- anschließend erfolgt die Aufteilung bis zur
untersten Stufe "von oben nach unten".
- Es muss eine zugehörige Nettobedarfsrechnung
erfolgen; Gegenüberstellung vom ermittelten Bruttobedarf und
verfügbaren Lagerbestand auf jeder Fertigungsstufe.
- Zeitaufwendig; im Falle von Wiederholteilen wirft
dieses Verfahren Probleme auf.

Auflösung nach Dispositionsstufen
- Die analytische Auflösung nach Dispositionsstufen
fasst die Wiederholteile auf der Stufe zusammen auf der die Position
zuletzt vorkommt.
- Unter Dispositionsstufe ist demnach die unterste
Fertigungsstufe zu verstehen, in der ein Teil innerhalb aller
Erzeugnisstrukturen vorkommt.
- Hier werden den Bruttobedarf eines Wiederholteils
die Bestände in der richtigen terminlichen Reihenfolge zugeordnet.
Synthetisch (Teileverwendungsnachweis)
- Die synthetische Bedarfsauflösung geht vom
Teileverwendungsnachweis aus.
- Voraussetzung sind Teileverwendungsnachweise in
Baukastenform.
- Vorteil ist, dass bei Änderungen von
mehrfachverwendeten Bauteilen und Einzelteilen sofort der bestehende
Bedarf ermittelbar ist.
- Nachteil ist der hohe Aufwand für
Datenorganisation und Erzeugnisdokumentation.

Entgegengesetzt der analytischen Bedarfsermittlung
geht man von den Einzelteilen auf das Endprodukt.
Subjektive Schätzung
Liegen weder Verbrauchszahlen der Vergangenheit noch
Prognosen für die Zukunft vor (z. B. bei Neueinführung von
Erzeugnissen), bleibt zur Ermittlung des Bedarfs nur noch die Schätzung.
Arten:
- Analog
Verbrauchwerte können zu einem gewissen Teil von vorhandenen
ähnlichen Produkten abgeleitet werden.
- Intuitiv
Die Bestimmung der Verbrauchswerte erfolgt ausschließlich anhand
einer Schätzung
Aufgabe Deterministische Bedarfsermittlung
Das nachfolgende dargestellte Endprodukt P besteht aus
drei Baugruppen (A, B, C) und mehreren Einzelteilen (a, b, c). Ermitteln
Sie über eine Stücklistenauflösung, wie viele welcher Teile der Einkauf
beschaffen muss, um 1.000 Stck des Endproduktes P fertigen zu können.

Die Erzeugnisse E 1 und E 2 weisen folgende Strukturen
auf:

Der Primärbedarf für E1 und E2 ist laut
Produktionsplan wie folgt verteilt:

Für T2 entsteht bei E1 ein Ersatzteilbedarf von
jeweils 10 ME/Periode.
Für die Baugruppe B1 ist in den Perioden 7 und 8
jeweils ein Ersatzteilbedarf von 5 ME vorzusehen.
Die Vorlaufverschiebung jede Stufe beträgt jeweils 1
Periode.
Ermitteln Sie den Bruttoproduktionsbedarf (ohne
Zusatzbedarf für Ausschuss) für B1 und T2.
Für Ersatzteilbedarf keine Berücksichtigung der
Vorlaufverschiebung.

Bestandsrechnung
Die Bestandsrechnung ermittelt, ob ein frei
verfügbarer Bestand vorhanden ist und somit der bestehende Bedarf
abgedeckt werden kann.
Die frei verfügbaren Bestände werden von dem Gesamtbedarf abgezogen und
man erhält den Nettobedarf bzw. Bestellbedarf.
Begriffsdefinitionen:
- Lagerbestand
aktueller Gesamtbestand - keine Aussage über Verfügbarkeit der
Materialien.
-
Sicherheitsbestand
Bestand, um bei Störungen im Fertigungsprozess und/oder
Beschaffungsprozess die Materialverfügbarkeit zu sichern.
- Vormerkbestand
= reservierter Bestand
Ein vorhandener Lagerbestand, der für einen Auftrag fest reserviert
ist. Dieser Bestand steht somit für andere Aufträge nicht mehr zur
Verfügung.
- Bestellbestand
noch offene, noch nicht ausgelieferte Bestellmengen. Diese können
frei verfügbar sein.
-
Werkstattbestand
Menge, welche das Lager an die Fertigung zur Weiterverarbeitung
ausgegeben hat.
Bestands- und Bestellrechnung
Zur Herstellung der Produkte entsprechend des
Primärbedarfs wird die Menge bestimmt, die unter Berücksichtigung der
Bestände beschafft werden muss. Der Nettobedarf = Bestellbedarf muss
nicht auf einmal bestellt werden, hieraus ergibt sich die
Unterscheidung:
-
Nettobedarfsmenge
Die Menge, die für einen Auftrag nicht mehr vorhanden ist.
- Bestellmenge
die mit einer Bestellung bei einem Lieferanten in Auftrag gegebene
Menge
- Liefermenge
die Menge, die als geschlossene Lieferung vom Lieferanten geliefert
wird und beim Besteller eingeht.
- Bezugsmenge
Die eingegangene Menge, die jedoch bei Transportverlusten von der
Liefermenge abweichen kann.
Die Bestellmenge ist
abhängig von:
-
Beschaffungskosten
alle bestellmengenabhägigen Kosten, die durch den Materialbezug von
auswärts entstehen (Verpackungskosten, Lieferkosten)
- Bestellkosten
geben Aufschluss übe die Kosten einer Bestellung (Personalkosten,
Telefongebühren, EDV, Papier...
-
Lagerhaltungskosten
Lagermaterialkosten, Lagerraumkosten, Lagerpersonalkosten und
Lagergemeinkosten
Zielkonflikt:

Optimale Bestellmenge (Entwicklung der Andlerschen
Formel)
Gesamtkosten eines Beschaffungsvorgangs
GK = BK + LKS
Gesamtkosten = Bestellkosten + Lagerhaltungskostensatz
à Minimal

Voraussetzung für
die Andlersche Formel:
- Bedarf ist bekannt und gleichmäßig
- Preis bleibt gleich
- Verbrauch ist linear
Unterstellungen/Probleme der optimalen Bestellmenge
- Bestellkosten sind im Betrachtungszeitraum
konstant
- Lagerhaltungskostensatz ist im
Betrachtungszeitraum konstant
- Mengenrabatte bleiben unberücksichtigt
- Keine Berücksichtigung von Verbunddisposition
- Keine Berücksichtigung der Lagerkapazität und des
Kapitalbedarfs
- Keine Berücksichtigung von Sicherheitsbeständen
Annähernd optimale
Bestellmenge
- senkt die Bestände
- Die Kosten für die Beschaffung und Lagerung
werden geringer
Aufgabe Bestimmung
der optimalen Bestellmenge
Geschätzter Jahresbedarf 24.000 Stück
Einstandspreis/Stück: 1,50 €
Bestellkosten: 40,00 €
Lagerkostensatz 24%
| Bestellmenge |
Anzahl der
Bestellungen |
Bestell-
kosten |
Ø Lagerbestand
in € |
Lagerhaltungs-
kosten |
Gesamtkosten |
| 24.000 |
1 |
40 |
18.000 |
4.320 |
4.360 |
| 12.000 |
2 |
80 |
9.000 |
2.160 |
2.240 |
| 6.000 |
4 |
160 |
4.500 |
1.080 |
1.240 |
| 3.000 |
8 |
320 |
2.250 |
540 |
860 |
| 2.400 |
10 |
400 |
1.800 |
432 |
832 |
| 2.000 |
12 |
480 |
1.500 |
360 |
840 |
| 1.000 |
24 |
960 |
750 |
180 |
1.140 |
Die optimale Bestellmenge liegt bei 2.400 Stck, die
optimale Bestellhäufigkeit bei 10 Bestellungen


Aufgabe
Bestimmung
der
optimalen
Bestellmenge
Bestellkosten: 60,00 €
jährlicher Bedarf: 6000 Stck.
Einstandspreis/Stck: 4,00 €
Lagerhaltungskosten: 1/6 des durchschnittlichen Bestandswertes
| Anzahl der
Bestellungen |
1 |
2 |
4 |
6 |
12 |
| Bestellmenge in
Stück |
6.000 |
6.000 |
1.500 |
1.000 |
500 |
| Ø Lagerbestand in
Stück |
3.000 |
1.500 |
750 |
500 |
250 |
| Ø Lagerbestand in € |
12.000 |
6.000 |
3.000 |
2.000 |
1.000 |
| Lagerhaltungskosten |
2.000 |
1.000 |
500 |
333,33 |
166,67 |
| Bestellkosten |
60 |
120 |
240 |
360 |
720 |
| Gesamtkosten |
2.060 |
1.120 |
740 |
693,33 |
886,67 |

Klassifizierung von Materialien
Materialnummerierung
In der Materialwirtschaft werden häufig Nummernsysteme
benutzt, um lange verbale Bezeichnungen zu vermeiden und den
Informationsaustausch zu erleichtern.
Die
Materialnummerierung (Materialverschlüsselung) umfasst folgende
Aufgaben:
- Identifikation
Eine bestimmte Nummer wird einer Sache zugeordnet, keine
Doppelvergabe -> Eindeutigkeit
- Klassifikation
Kennzeichnung von Sachgruppen -> Zusammenfassung von Gegenständen
mit gleichen Merkmalen
- Information
Ergänzende Angaben zu den Materialien, z. B. Lieferanten-Nr.
ABC-Analyse
Die ABC-Analyse ist ein Hilfsmittel, um festzustellen,
welchen Bereichen besondere Aufmerksamkeit zu widmen ist. Dabei werden
die Bereiche in drei Gruppen (A, B, C) eingeteilt.
- Erhöht die Transparenz
- Vermeidet Arbeitsaufwand bei Bereichen
untergeordneter Bedeutung (C-Teile)
z. B.
- Marktbeobachtung in vereinfachter Form
- vereinfachte Disposition
(Bestellrhythmusverfahren)
- vereinfachtes Prüfverfahren bei Eingang,
sofern techn. zulässig
- Einführung von (monatlichen) Sammelrechnungen
- Konzentriert die Aktivitäten auf wirtschaftlich
bedeutende Bereiche (A-Teile)
z. B.
- Preis-, Kosten, Transportanalyse
- genaue Marktanalyse und ständige
Marktbeobachtung
- detaillierte Bestandsüberwachung
- verschärfte Terminsicherung und -verfolgung
beim Lieferanten
- genaueste Disposition (Bestellpunktverfahren)
- sorgfältigste Lieferantenauswahl
- qualifizierte Eingangs- und
Qualitätskontrolle
- Abkürzung der Wiederbeschaffungszeiten und
der eigenen Durchlaufzeiten
- Einrichtung von Lieferantenlägern und/oder
Kosignationslägern (nur was entnommen wird, wird bezahlt, z. B.
im Zeitschriftenverkauf)
- schneller Rechnungsdurchlauf zur Sicherung
vereinbarter Skontofristen
Anwendungsbereiche
der ABC-Analyse in der Materialwirtschaft
- Anzahl und Wert der beschafften/verbrauchten
Materialgruppen
- Anzahl und Wert aller Bestellungen
- Anzahl der Lieferanten und Umsatzwert der
Lieferanten
Durchführung der
ABC-Analyse:
- Je Artikel den bewerteten Verbrauch ermitteln
(Menge * Preis)
- Je Artikel den %-ualen Mengen- und Warenanteil
berechnen
- Ranfolge nach %-ualen Wertanteil festlegen
- In zweiter Tabelle Artikel nach Ranfolge
eintragen
- Die %-ualen Mengen- und Wertanteile kumulieren
- ABC-Schranken festlegen
Ergebnis der
ABC-Analyse:
Wenige Artikel haben einen hohen Anteil (70-80 %) am
Gesamtverbrauchwert = A-Güter
Durchschnittlich viele Artikel haben einen
durchschnittlichen Anteil (15-20%) am Gesamtverbrauchswert = B-Güter
Viele Artikel haben einen geringen Anteil (5-10 %) am
Gesamtverbrauchswert = C-Güter
Beispiel ABC-Analyse
Erstellen Sie aus den nachfolgenden Angaben eine
ABC-Analyse und stellen Sie das Ergebnis zeichnerisch dar.
ABC-Schranken:
A-Güter ca. 80%, B-Güter ca. 15%, C-Güter ca. 5%
Wertanteil
| Lagergut |
Mengen-
verbrauch |
Verrechnungs-
preis / Einheit |
Bewerteter
Verbrauch |
% der
Menge |
% des
Wertes |
Rang |
| a) Stahlrohrgestell |
2.500 |
120,00 |
300.000 |
0,84 |
10,00 |
3 |
| b) Tischplatte |
20.000 |
21,00 |
420.000 |
6,67 |
14,00 |
2 |
| c) Fußstöpsel |
14.000 |
0,1 |
1.400 |
4,67 |
0,05 |
13 |
| d) Seitengestell |
7.000 |
35,00 |
245.000 |
2,33 |
8,17 |
4 |
| e) Tischbein |
7.000 |
16,00 |
112.000 |
2,33 |
3,74 |
8 |
| f) Querrohr |
6.500 |
11,00 |
71.500 |
2,17 |
2,38 |
11 |
| g) Längsverbindung |
3.500 |
27,00 |
94.500 |
1,17 |
3,16 |
9 |
| h) Längsrohr |
8.000 |
16,00 |
128.000 |
2,67 |
4,27 |
7 |
| i) Lasche |
60.000 |
2,70 |
162.000 |
20,00 |
5,40 |
5 |
| j) Vierkantstahlrohr |
90.000 |
1,50 |
135.000 |
30,00 |
4,50 |
6 |
| k) Schrauben |
70.000 |
0,08 |
5.600 |
23,33 |
0,19 |
12 |
| l) Querverbindung |
5.000 |
18,00 |
90.000 |
1,67 |
3,00 |
10 |
| m) Stahlrohrtisch |
6.500 |
190,00 |
1.235.000 |
2,17 |
41,17 |
1 |
| Summe |
300.000 |
|
3.000.000 |
100 |
100 |
|
| Rang |
Lagergut |
%-Anteil Menge |
%-Anteil Wert |
ABC Klasse |
% Menge |
% Wert |
| |
|
einfach |
kum. |
einfach |
kum. |
|
|
|
| 1 |
m |
2,17 |
2,17 |
41,17 |
41,17 |
A |
32,01 |
78,71 |
| 2 |
b |
6,67 |
8,84 |
14,00 |
55,14 |
A |
| 3 |
a |
0,84 |
9,68 |
10,00 |
65,14 |
A |
| 4 |
d |
2,33 |
12,01 |
8,17 |
73,31 |
A |
| 5 |
i |
20,00 |
32,01 |
5,40 |
78,71 |
A |
| 6 |
j |
30,00 |
62,01 |
4,50 |
83,21 |
B |
36,17 |
15,67 |
| 7 |
h |
2,67 |
64,68 |
4,27 |
87,48 |
B |
| 8 |
e |
2,33 |
67,01 |
3,74 |
91,22 |
B |
| 9 |
g |
1,17 |
68,18 |
3,16 |
94,38 |
B |
| 10 |
l |
1,67 |
69,85 |
3 |
97,38 |
C |
31,84 |
5,62 |
| 11 |
f |
2,17 |
72,02 |
2,38 |
99,76 |
C |
| 12 |
k |
23,33 |
95,35 |
0,19 |
99,95 |
C |
| 13 |
c |
4,67 |
100 |
0,05 |
100 |
C |

XYZ-Analyse
Die Bestimmung der Verbrauchsanteile durch die
ABC-Analyse ist häufig nicht ausreichend zur Festlegung der
Bereitstellungsmaßnahme (Dispomethode).
Anhand der XYZ-Analyse kann man die Materialien nach
zusätzlichen Gesichtspunkten bewerten
Wichtige Zusatzinformationen können sein:
| |
Bedarfsverlauf |
oder |
Auslaufzeiten |
| X |
konstanter Bedarf
(50% - 60%)
hohe Vorhersagegenauigkeit |
|
kein Auslauf geplant |
| Y |
schwankender Bedarf
(10% - 20%)
mittlere Vorhersagegenauigkeit |
|
Auslauf in ca. 6
Monaten |
| Z |
stark schwankender
Bedarf (20% - 30%)
niedrige Vorhersagegenauigkeit |
|
Auslauf steht
unmittelbar bevor |
ABC-Analyse kombiniert mit XYZ-Analyse
Kombination aus ABC-Analyse mit XYZ-Analyse ergibt
neun Klassifizierungsgruppen (Entscheidungsfelder).
Anhand dieser kann differenziert entschieden werden,
welche Dispositions- oder Einkaufsaktivitäten zu entwickeln sind.
Die Kombination erleichtert die Verwirklichung des
materialwirtschaftlichen Optimums
|
Wertigkeit
Vorhersagegenauigkeit |
A |
B |
C |
| X |
hoher
Verbrauchwert
hoher Vorhersagewert |
mittlerer
Verbrauchswert
hoher Vorhersagewert |
niedriger
Verbrauchswert
hoher Vorhersagewert |
| Y |
hoher
Verbrauchswert
mittlerer Vorhersagewert |
mittlerer
Verbrauchswert
mittlerer Vorhersagewert |
niedriger
Verbrauchswert
mittlerer Vorhersagewert |
| Z |
hoher
Verbrauchswert
niedriger Vorhersagewert |
mittlerer
Verbrauchswert
niedriger Vorhersagewert |
niedriger
Verbrauchswert
niedriger Vorhersagewert |
Solche nach mehrdimensionalen Kriterien festgelegten
Bereitstellungsverfahren leisten zur Lösung der materialwirtschaftlichen
Zielkonflikte einen größeren Beitrag, als die herkömmlichen nur
eindimensionalen Verfahren
AX-Güter
Beschaffung:
Sorgfältige und intensive Beschaffungsmarktforschung
Preis-, Kosten-, Transportanalyse
Lagerhaltung
Just-in-time, Fertigungssynchrone Belieferung,
Sicherheitsbestände minimal,
qualifizierte Wareneingangskontrolle
CX-Güter
Beschaffung:
vereinfachte Beschaffungsmarktforschung
vereinfachte Disposition (Bestellrhythmusverfahren)
Sammelrechnung, Vollautomatische Bestellabwicklung
Lagerhaltung:
siehe AX-Gut
vereinfachte WE-Kontrolle, soweit zulässig
AZ-Güter
Beschaffung:
Sorgfältige und intensive Marktforschung
Preis-, Kosten-, Transportanalyse
Sorgfältige Lieferantenauswahl, Ersatzlieferanten
Lagerhaltung
Konsignationslager, Beschaffung im Bedarfsfall,
wirtschaftliche Sicherheitsbestände
CZ-Güter
Beschaffung:
vereinfachte Materialforschung, vereinfachte Disposition, lokale
Lieferanten
Lagerhaltung
Lieferantenlager (Lieferung auf Abruf), hoher Sicherheitsbestand,
Konsignationslager
Wertanalyse
Systematische Untersuchung eines Produktes durch ein
Sachverständigen-Team mit dem Ziel, die Herstellung des Produktes mit
Hilfe kostengünstigerer Teile (alternative Werkstoffe, Verfahren,
Veredelungstechniken...) ausführen zu lassen, ohne dass dadurch die
technische Verwendungsmöglichkeit vermindert wird.
z. B. durch
- Änderung der Konstruktion
- Änderung des Herstellungsverfahrens
- Verwendung anderer Materialien
Ziel: Die notwendige Funktion mit den einfachsten
Mitteln und den niedrigsten Kosten zu erreichen (Minimalprinzip)
Vorgehensweise:
- Vorbereitungsphase
- Festlegung des Untersuchungsobjektes und des
Untersuchungszeitraums
- Bestimmung der Teammitglieder
- Bereitstellung der erforderlichen Unterlagen
- Informationsphase
- Beschreibung des Ist-Zustandes
- Benennung der notwendigen Funktionen
- Fixierung von überschlägigen Kostenzielen
- Kritik des Ist-Zustandes (Kosten,
Funktionserfüllung)
- Schöpferische Phase
- systematische Suche nach Alternativen
(Brainstorming
- kritiklose Sammlung aller Vorschläge
- evtl. Erstellung eines Fragenkatalogs
- Entscheidungsphase
- technische und wirtschaftliche Prüfung der
Vorschläge
- Prüfung der Kombinationsmöglichkeiten
- Auswahl der günstigsten Lösung
- Formulierung sinnvoller Vorschläge an die
Geschäftsleitung
- Realisierung
- Sinnvollerweise wird die Realisierung der
Projekte gemeinsam vom Wertanalyseteam und der Geschäftsleitung
begleitet
Bestandsplanung/Vorratspolitik
Aufgabe der Materialwirtschaft ist Kosten durch die
Bestände so niedrig wie Möglichkeit zu halten und dennoch einen hohen
Servicegrad (Lieferbereitschaft) zu erreichen (Zielkonflikt).
Verschiedene
Verfahren der Vorratspolitik:
Eigenes Lager
Bestände niedrig halten durch geeignete
Dispositionsverfahren
Optimale
Lieferantenauswahl
Preisgünstige, termintreue, qualitätsbewusste
Lieferanten können helfen Sicherheits- und Meldebestände niedrig zu
halten.
Just-in-time:
Punkt- und termingenaue Anlieferung durch den
Lieferanten an die Produktion zum Bedarfszeitpunkt ermöglicht lagerlose
Fertigung
Lieferantenlager
Lager bei Lieferanten in einer vereinbarten Höhe, das
vorrangig kurzfristigen Abrufen dient. Sinnvoll ist die
Qualitätskontrolle schon beim Lieferanten durchzuführen.
Konsignationslager
Lagerung beim Abnehmer. Die Ware muss erst nach
Entnahme bezahlt werden. Sammelrechnung nach bestimmten Zeitabläufen,
auffüllen automatisch.
Bestandsplanung/Kennzahlen
Zielkonflikt zwischen Servicegrad + Kosten
(Lagerkosten)

Beispiel: Kennzahlen
Sofort belieferbare Anforderungen in Höhe von 2800,
nicht belieferbare in Höhe von 200. Gesucht: Servicegrad.

Jahresverbrauch 40 Mio €. Jahresdurchschnittsbestand 8
Mio €
Gesucht: Lagerdauer und Umschlagshäufigkeit

Beschaffung
Allgemeiner Wandel der Funktionsbereiche führt zu
höherem Anspruch an die Teilbereiche der Beschaffung, über die im
folgenden ein kurzer Überblick erfolgt:
- Beschaffungsobjekte untergliedert in
wiederkehrende Materialien und einmalige Bedarfe
- Merkmale des Beschaffungsmarktes anhand seiner
Anbieter- und Nachfragerstruktur
- Beschaffungsmarketing und
Beschaffungsmarktforschung
- Beschaffungsmarktpolitik bezogen auf
Beschaffungsmarkt, Lieferantenauswahl und Qualität
- Beschaffungspolitik und Unternehmenspolitik
- Beschaffungsstrategien (Global Sourcing =
Weltweiter Einkauf, Single Sourcing = gezielter Einkauf)
- Beschaffung im Internet
Wichtigkeit der
Beschaffung
- minimierte Bestände fordern permanent vermehrte
Einkaufsaktivitäten
- Die zunehmende Reduzierung eigener
Fertigungstiefen führt weiter zu steigenden Einkaufsvolumen
(Steigerung von 40% auf 55%)
- Die Einkaufspreisreduzierung mittels
Marktforschung, Wertanalyse und Lieferantenkommunikation.
- Schnelle Reaktion auf Kundenwünsche verlangen
verbesserte Aktivitäten in Beschaffung und Materialwirtschaft
- Qualitätssichernde Maßnahmen führen zu
hochrangigen Beschaffungsstrategien.
- Global Sourcing: weltweite Beschaffung als
Unternehmensstrategie
- Single Sourcing: bewusste Beschränkung auf
nur einen Lieferanten auch bei wichtigen A-Teilen
- Modular Sourcing: Beschaffung von Komponenten
bzw. Modulen anstatt Einzelteilen
Objekte der Beschaffung

Wiederkehrende Materialien:
Rohstoffe
Materialien, die direkt in ein Produkt eingehen und
dessen Hauptcharakter bestimmend beeinflussen.
Hilfsstoffe
Gehen in das Produkt ein, haben allerdings nur
Verbindungs-, Veredelungs- oder Sicherungsfunktion.
Zulieferteile
Gehen direkt (ohne interne Bearbeitung) ins Endprodukt
ein z. B. Motoren, Hydraulik, Getriebe.
Betriebsstoffe
Dienen der Erhaltung des Herstellungsprozesses, gehen
nicht in das Produkt ein z. B. Energie, Kühl-, und Schmiermittel,
Klebebänder.
Handelswaren
Zugekaufte Teile, die ohne weiteren
Wertschöpfungsprozess weiterverkauft werden z. B. Ersatzteile, werden
meistens über den Vertrieb disponiert.
Dienstleistungen
Leistungen, die von anderen Unternehmen erbracht
werden z. B. Reparaturen, EDV-Unterstützung, Entwicklungen, Beratung
Die Umwelt des Unternehmens

Mikro-Umwelt
(Froschperspektive)
Faktoren, mit denen das Unternehmen direkt zu tun hat
und Einfluss üben kann.
Makro-Umwelt
(Vogelperspektive)
Umweltbedingungen, die den Rahmen für Entscheidungen
bilden
Marktformenschema:

Es bestehen Möglichkeiten auf der Beschaffungsseite,
Marktstrukturen zu verändern, bzw. ganz gezielt positive Marktwirkungen
zu erzielen:
- Veränderte Vergabepolitik
- Aufbau völlig neuer Lieferanten
- Unterstützung vorhandener Lieferanten bei der
Entwicklung neuer Produkte
Anforderungen an das
Unternehmen aus dem Markt
- aggressiver Wettbewerb mit Preis- und Kostendruck
- kurze Produktlebenszyklen
- gesättigte Märkte
- Weltorientierung
- differenzierte Kundenwünsche, die schlecht
vorhersagbar sind
Konsequenzen für das
Unternehmen
- breites Sortiment mit hoher Komplexität
- minimale Durchlaufzeiten
- schnelle Auftragsabwicklung
- zunehmende Angebotsdifferenzierung
- hohes Maß an Flexibilität
- kleine Losgrößen
- hohe Lieferbereitschaft
Die Beschaffung hat eine Schlüsselrolle im
gewinnorientierten Unternehmen -
sie muss einen hohen Beitrag zur Erreichung der Unternehmensziele
leisten.
Beschaffungsmarketing
Marketing ist in zwei Richtungen möglich und nötig.
Das Unternehmen kann zum einen auf dem Beschaffungsmarkt (Anbieter),
aber auch auf dem Absatzmarkt (Nachfrager) tätig werden.
Unter Beschaffungsmarketing werden diejenigen
Aktivitäten verstanden, die darauf ausgerichtet sind, den
Beschaffungsmarkt bei Kenntnis aller relevanten Informationen
entsprechend den eigenen Zielvorstellungen zu gestalten.
Beschaffungspolitische Instrumentarien des Beschaffungsmarketing
Produkt- und Programmpolitik, z. B. make or buy -
Entscheidung
Preispolitik, z. B. Konditionen, Preise
Beschaffungswege, z. B. direkte oder indirekte Beschaffung
Kommunikationspolitik, z. B. Aktives Werben nach Lieferanten
Aufgaben des
Beschaffungsmarketing
- Gewinnung und Analyse von
Beschaffungsinformationen
- Untersuchung der Lieferantensubstitution (welcher
Lieferant kann das Material genauso liefern?)
- Untersuchung der Materialsubstitution
(Materialalternativen?)
- Aktive Beeinflussung des Beschaffungsmarktes zur
eigenen Zielerreichung
- Schaffung von Macht gegenüber dem Lieferanten
(durch hohe Mengen):
- Durchsetzen der eigenen Qualitäts- und
Ausstattungswünsche
- durchsetzen der eigenen Preisvorstellungen -
Konditionen
- erreichen von zusätzlichen Serviceleistungen
- optimale Lieferbedingungen
Marketing ist ein marktorientierter Denkstil,
verstanden als die Führung des Unternehmens von de Märkten her
(Beschaffungsmarketing) auf die Märkte hin

Beschaffungsmarktforschung

Methoden der
Informationsgewinnung
- Sekundärforschung (desk research)
Die Informationen liegen bereits vor und sind dem unternehmen
zugänglich. Es muss keine eigenen Erhebungen mehr erfolgen, sondern
die Informationen müssen lediglich ausgewertet werden.
externe Quellen:
IHK, Banken, Wirtschaftsverbände, Presse, Datenbanken, statistische
Ämter
interne Quellen:
Berichte der Vertriebsmitarbeiter, Unternehmensstatistiken,
Kundenverzeichnisse, Beschwerden und Reklamationen
Indirekte Informationsquelle (extern):
Marktforschung, IHK
Direkte Informationsquellen (intern):
Kontakt mit Lieferant, Kontakt mit Kunden
- Primärforschung (field research)
Das Unternehmen muss selbst Informationen erheben (z. B. durch
Befragung), da sie in der benötigten Form noch nicht vorhanden sind.
Die Daten werden zum ersten mal zum Selbstzweck, genau abgestimmt
auf das Problem, erstellt
Die Primärforschung kann erfolgen anhand Befragung, Beobachtung,
Experiment, Panel
Ziele der
Marktforschung
- Markteinfluss ausüben
- Problemlösungen suchen
- Marktübersicht erhalten
- Marknischen und -vorteile erkennen
- Engpässe frühzeitig erkennen
Beschaffungsstrategie
Unter dem Begriff der Beschaffungsstrategie lassen
sich zahlreiche Überlegungen bündeln:
- Soll direkt (bei Produzenten) oder indirekt (über
Handel) eingekauft werden?
- Wo sitzen die Hauptlieferanten? Deutschland?
Europa? Weltweit (Global Sourcing)?
- Anazahl der Lieferanten je Produkt? Viele?
Mehrere? Einer (Single Sourcing)?
- Wichtigstes Merkmal der Lieferantenbindung?
Preis? Qualität? Termintreue? Kooperation?
- Welche Kommunikation ist erforderlich zur
Sicherung, Steuerung und Beeinflussung vorhandener Lieferanten?
- Welche Aktivitäten sind notwendig zur
Früherkennung neuer Produkte, neuer Lieferanten, Innovationen,
Substitutionsprodukten, neuer Märkte?
Beschaffungsstrategie - Versorgungskonzepte
- Fallweise Beschaffung (Einzelbeschaffung)
Anwendung der Einzelfertigung. Geringe Kapitalbindung. Zumeist hohe
Beschaffungspreise
- Vorratsbeschaffung
Anwendung bei Serienfertigung. Beschaffungsmengen sind nicht
identisch mit dem Verbrauchsmengen. Lagerbestände sichern den
Produktionsprozess, verursachen allerdings auch Kosten. Ausnutzung
von Mengenrabatten führt zu Preisvorteilen.
- Fertigungssynchrone Beschaffung
Beschaffungsmenge und Bedarfsmenge sind weitgehend identisch.
Lagerhaltung erheblich reduziert (Fertigungslager). Die
Beschaffungsgüter werden, vom Fertigungsablauf abhängigen Terminen
angeliefert.
- Just-in-time-Beschaffung
Produktion ohne Zwischenlager
Die Zielsetzungen hierfür lauten:
- völliger Abbau von beständen in allen Stufen
- kürzeste Durchlaufzeiten
- gestraffte Material- und Durchlaufflüsse
- oftmals Bezug von Komponenten statt vieler
Einzelteile
- Einbau und Montage dieser Komponenten oftmals
durch Mitarbeiter des Lieferanten
Beschaffung im Internet
Wozu lässt sich das Internet bei der Beschaffung
nutzen?
- Lieferantensuche
- Homepage
- e-Mail senden/empfangen
- Downloads
- Zahlungsverkehr über Internet
- Auktionen
- elektronische Pinnwände
- E-Commerce (elektronischer Handel an
Endverbraucher)
- E- Business (elektronischer Handel an
Unternehmen)
- Chatrooms
Zukünftig könnte die
Beschaffung in wichtigen Teilen folgendermaßen aussehen (teilweise schon
real)
- Ausschreibungen im Internet
(jeder kann anbieten, Abwicklungszeit und Kosten sinken, guter
Marküberblick)
- Bestellung im Internet
(der günstigste Anbieter erhält per mausklick den Zuschlag,
zusätzliche Verhandlungen werden per "chat" geführt)
- Bezahlung im Internet
(das System erfasst sämtliche Lieferungen zu den vereinbarten
Konditionen und überweist selbstständig zum vereinbarten
Zahlungstermin den fälligen Betrag)
- Terminsicherung im Internet
(Überwachung des Produktionsdurchlaufs des Lieferanten zu
Beurteilung, ob ein zugesagter Termin auch eingehalten werden kann)
Arten des Einkaufs
Zentraler Einkauf
Bedeutet, dass alle einkaufsbezogenen Aktivitäten von
einer zentralen Einkaufsabteilung, die für alle Bereiche des
Unternehmens Einkaufsaufgaben wahrnimmt, gesteuert werden.
Vorteile:
- günstigere EK, Konditionen, aufgrund hoher Mengen
- Einsatz qualifizierter Mitarbeiter
- Bessere Übersicht / statistische Auswertungen
- einheitliche Entscheidungen/Vorgehensweisen
- einheitliches Sortiment
Nachteile:
- lange Kommunikationswege
- weiter Weg zum Bedarfspunkt
- kein direkter Kontakt zum Lieferanten
(Zweigstelle)
- Motivation der Mitarbeiter sinkt (Zweigstelle)
- keine lokalen Lieferanten
Dezentraler Einkauf
Liegt vor, wenn in einem Unternehmen ohne Rücksicht
auf eine zentrale Einkaufsabteilung eingekauft werden kann.
Vorteile /Nachteile = Gegensätzlich zum Zentralen
Einkauf
Vier klassische Möglichkeiten der Einkaufsgliederung:
Funktionsbezogen
die Stellenbildung erfolgt nach Art der Tätigkeit (z.
B. Anfragen, Bestellung, Terminüberwachung, Reklamationsabwicklung,
Dateneingabe und -pflege)
Objektbezogen
Die Stellenbildung erfolgt nach Art der zu
beschaffenden Materialen (z. B. Produktionsmaterial, Hilfs- und
Betriebsstoffe, Investitionen, Dienstleistungen)
Markbezogen
Die Stellenbildung erfolgt nach Beschaffungsmärkten
(z. B. Inland, Europa, weltweit)
Erzeugnisbezogen
Die Stellenbildung erfolgt nach einzukaufenden Teilen
für die selbstgefertigten Endprodukte
Moderne Form der Einkaufsgliederung
Gestaltendes
(kreatives) / verwaltendes (operatives) Prinzip
Die Stellenbildung erfolgt nach gestaltenden Aufgaben
und nach den administrativen Aufgaben
Beispiel:

Einkaufsabwicklung - Beschaffungsvorgang
Überblick

Lieferantenbeurteilung
Erfolgt durch ein Einkäufer z. B. anhand eines
Punktbewertungsmodells
(Stärken/Schwächen-Analyse)

Kritik:
- Daten der Lieferanten zuverlässig?
- Daten der Lieferanten beruhen evtl. auf
Schätzungen
- subjektive Auswahl der Merkmale
- subjektive Festlegung der Gewichtung
Angebotsvergleich (Preis als Entscheidungskriterium)
Inhalt
- Art der Ware (genaue Bezeichnung)
- Beschaffenheit und Güte der Ware (Angabe von
Güteklassen, Normen)
- Menge
- Preis, Preisnachlässe
- Liefer- und Zahlungsbedingungen
Bindung
gesetzliche
Bindungsfrist:
- Anwesende: solange Gespräch dauert (auch
Telefonate)
- Abwesende: bis unter normalen Umständen Antwort
erwartet werden kann (Brief ca. 1 Woche, Fax ca. 24 Stunden)
- Grundsatz: Antwort mindestens auf gleich
schnellem Weg!
Vertragliche
Bindungsfrist:
Befristetes Angebot ("gültig bis...")
Freizeichnungsklauseln:
Einschränkung der Bindung ("Preis freibleibend",
"Solange Vorrat reicht", "unverbindlich"...)
Erlöschen
Bindung an das Angebot erlischt wenn
- der Empfänger das Angebot ablehnt
- das Angebot verspätet angenommen wurde
- das Angebot nicht innerhalb der festgesetzten
Frist angenommen wurde
- der Empfänger das Angebot abändert (neuer Antrag)
- der Antragende rechtzeitig widerruft (widerrufen
bevor Angebot beim Kunden ist)
Preisvorbehaltsklausel
Allgemeine
Preisvorbehaltsklausel
Die Preisgestaltung bei dieser Art von Vertrag ist
vollkommen offen. Es gelten Zirka-Preise, Marktpreise, freibleibende
Preise und Kostenvoranschläge
Mathematische
Preisvorbehaltsklausel
= Preisgleitklausel
Die Preisgleitklausel wird angewandt, wenn beide
Vertragspartner in der Beurteilung übereinstimmen, dass bestimmte
Bestandteile des Endpreises im Laufe der Vertragszeit einer Veränderung
unterliegen werden.
Bestimmte Details müssen im voraus festgelegt werden:
- Welche Preisbestandteile sind variabel, welche
fix?
- Welche Größe (z. B. Stundensatz oder
Materialpreise) sind Bestandteile der Kalkulation?
- Wie war der offizielle Stand dieser Größen bei
Vertragsabschluss?
- Wie und wann kann die Entwicklung dieser Größen
nachvollzogen werden?

P: Preis am Tag der vereinbarten Lieferung
Po: Preis am Tag des Vertragsabschlusses
a bzw. b: prozentualer Materialanteil, bzw. prozentualer Lohnanteil
M bzw. L: Materialpreis bzw. Lohn am Tag der vereinbarten Lieferung
Mo bzw. Lo: Materialpreis bzw. Lohn am Tag des
Vertragsabschlusses
U: prozentualer unveränderter Preisbestandteil
Escape-Klauseln
Bieten eine Anpassung an veränderte Preis- und
Marktbedingungen
- Baisse Klausel
Möglichkeit für den Käufer sich aus dem Vertrag zu lösen, falls der
Verkäufer einen gesunkenen Preis nicht akzeptiert
- Hausse-Klausel
Möglichkeit für den Verkäufer sich aus dem Vertrag zu lösen, falls
der Käufer einen gestiegenen Preis nicht akzeptiert
- Meistbegünstigungsklausel
Verpflichtung keine, anderen Abnehmer unter vergleichbaren
Voraussetzungen einen günstigeren Preis einzuräumen
Aufgabe zu Preisgleitklausel
Der Preis für die Baugruppe Antrieb nach Zeichnung-Nr.
4711 beträgt 1.535,- €/Stck. Dieser Preis ist mit einer
Preisglöeitklausel versehen, für die die nachfolgenden Bedingungen
(siehe Tabelle) vereinbart sind.
Der Lieferant wird aufgrund von Kostenveränderungen
gegenüber der bisherigen Preisbasis den Preis ab 1. Januar des
Folgejahrs verändern.

a) Wie wird der neue Preis ab 1. Januar lauten?
b) Wie hoch ist die Preisänderung in Prozent?

1.535 - 100 %
1553,57 - x
x - 101,2%
Die Preissteigerung beträgt 1,2 %
Beispiel Angebotsvergleich
Die Werft der Gebrüder Stoppel OHG, Nonnenhorn, hat
sich auf die Restaurierung nostalgischer Segeljachten spezialisiert.
zwei Angebote für seewasserfeste Bootslacke liegen vor.

a) Führen Sie den Angebotsvergleich durch

b) Welche Gründe könnten dazu führen, dass dennoch
nicht der günstigste Lieferant den Zuschlag erhält?
Preis ist nicht alleiniges Entscheidungskriterium, man
wird auch andere, qualitative Entscheidungen berücksichtigen
c) Nennen Sie Kriterien, die in einem qualitativen
Angebotsvergleich zu berücksichtigen sind.
Abnahmenenge, Langjährige Geschäftsbeziehungen,
Qualität, Termintreue, Lieferzeit, persönliche Präferenzen, Nähe
Abschluss des Kaufvertrages
Kaufvertrag kommt zustande durch 2 übereinstimmende
Willenserklärungen:
Antrag + Annahme
Antrag: Angebot Annahme: Bestellung
Antrag: Bestellung Annahme: Bestellungsannahme
Antrag: Bestellung Annahme: Lieferung
Unbestellte Ware an einen Kaufmann mit dauernder
Geschäftsbeziehung + Schweigen = Kaufvertrag
Wenn Kaufmann die Ware nicht möchte:
- sofort Lieferanten mitteilen
- Aufbewahren
- sofortige Rücklieferung
Kein Kaufvertrag: alle nicht genannten Situationen
Bestandteile des Kaufvertrages
Verpflichtungsgeschäft
Abschluss des
Kaufvertrages
Pflichten Käufer: rechtzeitige Bezahlung und
Warenannahme
Pflichten Verkäufer: rechtzeitige und mangelfreie Übergabe,
Eigentumsübertragung, Zahlungsannahme
Erfüllungsgeschäft
Erfüllung der Pflichten aus dem Kaufvertrag
Käufer: Ware wird bezahlt und angenommen
Verkäufer: Eigentumsübertragung und Entgegennahme des Geldes
Inhalte des Kaufvertrages
- Art,
Beschaffenheit und Güte der Ware
- Menge
der
Ware
- Preis
der
Ware
Nettopreis: Preis der bezahlt werden muss, ohne weitere Abzüge
(außer Skonto)
Bruttopreis: Rabatte müssen noch eingerechnet werden
- Verpackung
der
Ware
Verpackung frei: kostenlos
Verpackung leihweise: wird in Rechnung gestellt, muss bei Rückgabe
nicht bezahlt werden
Brutto für Netto: Gewicht der Ware und Gewicht der Verpackung werden
gleich Berechnet
(z. B. Ware kostet 1€/kg, dann kostet
Verpackung auch 1€/kg)
Gesetzliche Regelung:
Transportverpackung: Käufer zahlt (Palette, Wellpappe,
Schrumpffolie)
Verkaufsverpackung: Verkäufer zahlt (Pralinenschachtel,
Parfumflasche...)
Umverpackung: Verkäufer zahlt
- Versand
innerhalb Deutschland

INCOTERMS 2000

- Lieferzeit
-
Zahlungsbedingungen
Wenn nichts vereinbart: Gesetzliche Regelung:
Sofort bei Lieferung, wenn Lieferung an einem Feiertag oder
Wochenende, Zahlung am nächsten Werktag
- Erfüllungsort

Für Geldschulden (Käufer): Sitz des Käufers
Für Warenschuldner (Verkäufer): Sitz des Verkäufers
Bringschulden: wenn anderer Erfüllungsort vereinbart ist, z. B. Ware
ist zum Kunde zu liefern, Verkäufer trägt Gefahr des Transport
Wenn der Verkäufer einen eigenen Fuhrpark hat, trägt er die Gefahr
für den Transport
-
Eigentumsvorbehalt
Ware bleibt Eigentum des Verkäufers, bis Käufer bezahlt hat.
Käufer ist somit nur Besitzer der Ware.
Eigentumsvorbehalt erlischt bei:
- Einbau in feste Gegenstände
- Weiterverkauf
- komplette Verarbeitung
Verlängerter Eigentumsvorbehalt
VK -> K -> D
überträgt sich auf Dritte
Erweiterter Eigentumsvorbehalt
Erlischt erst, wenn der Käufer ALLE Rechnungen des Verkäufers
beglichen hat.
- Allgemeine
Geschäftsbedingungen
Zeit-/Kostenersparnis
Bei jedem Kauf/Verkauf müsste jedes mal ein neuer, kompletter
Vertrag ausgestaltet werden
Unzulässig
- Dinge aufzunehmen, die gegen das Gesetz verstoßen
- Überraschende Klauseln
Kaufvertragsstörungen
| Pflichten aus KV |
Mangelfreie
Lieferung der Ware durch den Verkäufer |
Rechtzeitige
Lieferung der Ware durch den Verkäufer |
Annahme der Ware
durch den Käufer |
Bezahlung des
Kaufpreises durch den Käufer |
| Störung |
Mangelhafte
Lieferung |
Lieferungsverzug |
Annahmeverzug |
Zahlungsverzug |
| Gesetzl. Regelung |
BGB §§ 433
HGB §§ 377 |
BGB §§§ 286, 323 |
BGB §§ 293
HGB § 373 |
BGB §§ 286, 323 |
| Voraussetzungen |
- Sachmängel
(z. B. Beschädigung, zu wenig geliefert, zugesicherte
Eigenschaft fehlt, unverständliche Gebrauchsanweisung)
- Rechtsmängel
(z. B. Verkauf ohne Lizenz / kopierte Waren)
|
- Fälligkeit
- Mahnung (wenn kein bestimmter
Liefertermin vereinbart)
- Verschulden
|
- Fälligkeit
- Tatsächliches Anbieten der Ware
- (Annahmeverzug setzt kein Verschulden
voraus)
|
- Fälligkeit
- Mahnung (wenn kein bestimmter
Zahlungstermin vereinbart ist, Mahnung entfällt 30 Tage nach
Zugang der Rechnung
- Verschulden
|
| Rechte des
Vertragspartners nach seiner Wahl |
Durch Mängelrüge
(Reklamation) sichert sich der Käufer folgende
Gewährleistungsansprüche:
1. Schritt:
- Nacherfüllung (Nachbesserung 2x oder
Ersatzlieferung)
2. Schritt:
- Rücktritt vom Vertrag
- Preisminderung
- Schadenersatz neben oder statt der
Erfüllung
- Ersatz vergeblicher Aufwendungen
|
- Lieferung verlangen (ohne Nachfrist)
- Lieferung und Schadenersatz wegen
Verzögerung (ohne Nachfrist)
- Rücktritt vom Vertrag (nach angemessener
Nachfrist)
- Rücktritt und Schadenersatz wegen
Nichterfüllung (nach angemessener Nachfrist
|
- Einlagerung der Ware mit Kostenerstattung
und
- Versteigerung oder Verkauf zum Markt-
bzw. Börsenpreis (Selbsthilfeverkauf)
- Klage auf Abnahme mit Kostenerstattung
|
- Zahlung verlangen
- Zahlung verlangen und Schadenersatz wegen
Verzögerung
- Rücktritt vom Vertrag (nach angemessener
Nachfrist)
- Rücktritt und Schadenersatz wegen
Nichterfüllung (nach angemessener Nachfrist)
|
Kaufvertragsarten
Werkvertrag
Herstellung eines Werkes (Produktes) gegen Entgelt, Kunde beschafft das
Material.
Werklieferungsvertrag
Herstellung eines Werkes (Produktes) gegen Entgelt, Verkäufer beschafft
das material
Fixgeschäft
Lieferung zu einem bestimmten Termin + Fixklausel "fix", "fest", "genau
am"...
Spezifikationskauf,
Bestimmungskauf
Kauf einer bestimmten Menge einer Gattungsware (z. B. T-Shirt), genaue
Ausführung wird zu einem späteren Zeitpunkt bestimmt (bei T-Shirts z. B.
Farben)
Kauf nach Probe
z. B. nach Probefahrt, Parfum...
Kauf auf Probe
mit Rückgaberecht
Kauf zur Probe
Kauf einer kleinen Menge, Kauf einer
größeren Menge wird bei Gefallen in Aussicht gestellt
Kauf auf Abruf
Menge wird vom Käufer zu einem bestimmten
Datum "abgerufen".
Sukzessiv-Lieferungsvertrag
Es wird vornherein festgelegt, wann (Datum)
u. wieviel geliefert wird.
Streckengeschäft.
Endkunde schließt mit Händler Vertrag, Händler bestellt bei Lieferant,
dieser Liefert direkt an den Endkunden
Leasing
Mietvertrag, aber nach bestimmter Zeit kann der "Mieter" die Ware
kaufen, zurückgeben oder austauschen
Ratenkauf
Zahlung in Teilbeträgen
Inhalt: Barzahlungspreis, Teilzahlungspreis, Betrag (Anzahl und
Fälligkeit), Zinsen, effektiver Jahreszins)
- Privatleute: immer Schriftform
- Belehrung über Wiederrufsrecht muss gesondert unterschrieben werden
(14 Tage)
Produkthaftung
Produkthaftungsgesetz ProdHaftG §§ 1, 4, 13
Produkthaftung bedeutet, dass der Hersteller für
Folgeschäden haftet, die durch Fehler des Produktes an Personen
oder
Sachen - nicht am Produkt selbst - verursacht werden.
- Fehler
Das Produkt bietet nicht die Sicherheit, die man berechtigterweise
erwarten kann.
- Personenschäden: Haftung bis max. 85 Millionen €
- Sachschäden: Schäden bis 500 € sind selbst zu
tragen
- ist der Hersteller nicht feststellbar:
jeder Lieferant haftet, sofern er den Hersteller nicht innerhalb von
4 Wochen nach Aufforderung benennen kann.
- Verschulden seitens des Herstellers muss nicht
vorliegen
- Verjährung der Ansprüche: 3 Jahre nach Kenntnis
des Fehlers
- Erlöschen von Ansprüchen:
10 Jahre nach dem Zeitpunkt, in dem der Hersteller das
schadenverursachende Produkt in den Verkehr gebracht hat.
- Schmerzensgeld:
nur bei Verschulden des Herstellers
- keine Ersatzpflicht des Herstellers u. a., wenn
Fehler nach dem Stand der Wissenschaft und Technik nicht erkannt
werden konnte.
Qualitätsmanagement im Einkauf
Qualitätsmanagement
als Unternehmensziel
- ein nach Qualitätsanforderungen
entwickeltes/konstruiertes Produkt
- ein Beschaffungswesen, das eindeutig
spezifizierte Teile/Materialien von freigegebenen bzw. auditierten
Lieferanten bezieht
- eine Qualitätskontrolle bei Eingang von Waren,
wobei Prüfmethoden sowie -mittel exakt festgelegt und mit den
jeweiligen Lieferanten abgestimmt sind.
- einen Fertigungsablauf, der Qualität garantiert
- Ausbildung und Förderung des
Qualitätsbewusstseins bei jedem Mitarbeiter
Aufgaben
Qualitätsmanagement
- planerische Aufgabe
die eine disziplinierte Umsetzung und permanente Beachtung verlang
- psychologische Aufgabe
da die Umsetzung im Vorfeld eine Identifikation der Mitarbeiter mit
dem Qualitätsmanagement erfordert
Die DIN ISO
9001/2000-Normen unterscheiden folgende Hilfsmittel
- Qualitätsmanagement-Handbuch
Festlegung der Qualitätspolitik sowie Darstellung der Ablauf- und
Aufbauorganisation unter Berücksichtigung von betriebsumfassenden
Grundsätzen und Zusammenhängen.
- Qualitätsmanagement-Verfahrensanweisungen
Beschreibung von komplexen Zusammenhängen
- Qualitätsmanagement-Anweisungen
Details für bestimmte Tätigkeiten, wie z. B. Prüfanweisungen
Auditierung
Überprüfung eines neuen Lieferanten auf seine
Qualitätsfähigkeit in einem sog. Lieferantenaudit, das gemeinsam vom
Qualitätsmanagement und Einkauf durchgeführt wird.
Begutachtung eines zertifizierenden Unternehmens durch eine
entsprechende zugelassene Institution.
Zertifizierung
Zertifikat durch ein beglaubigtes Unternehmen, das das
Vorhandensein einer überprüfbaren Systematik zur konstanten Herstellung
von Qualität dokumentiert.
Öko-Audit
Umwelt betreffend (Umweltgesetze, Gerfahrenquellen...)
TQM
Total Quality Management
- bezieht sich nicht nur auf das Produkt
- Kunden orientiert
- Mitarbeiter
Ergebniskontrolle im Einkauf
Kriterien zur
Ergebniskontrolle
- Qualität
- Termintreue
- Preise
- Bestandmanagement
Lagerwirtschaftliche Aufgaben und Planung
Aufgaben der
Lagerhaltung
- Bestimmung optimaler Lagerbestände, der optimalen
Gestaltung der Lagergebäude, der Einrichtungstechnik und
Kommissionierung
- Bestimmung der wirtschaftlichen Form der
Warenbehandlung im Lager, insbesondere der Warenannahme und
-manipulation (Ware umpacken, auszeichnen, geringfügige Änderung der
Ware), der Durchführung der Kommissionierung und der Inventur (=
verwaltende Aufgaben)
- Sicherung der Liefer- bzw.
Produktionsbereitschaft
- Ausgleich von Schwankungen zwischen Beschaffung
und Produktion
- Ausgleich von Schwankungen zwischen Produktion
und Absatz
- Lagerung zwecks Ausreifung (Wein, Bier) bzw. aus
produktionstechnischen Gründen (langsame Abkühlung)
- Ausnutzung von Preisvorteilen, z. B. Ausnutzung
von sonderangeboten und Mengenrabatten
- Zusatzaufgaben
- Sammeln, sortieren und Versenden von Leergut
- Alt- und Abfallmaterialsammlung
- Einleitung der ordnungsgemäßen,
vorgeschriebenen Verschrottung
- Identifikation von Ladenhütern und
Verfallstoffen
Lagerarten
|
Kriterium |
Lager |
Beschreibung |
| Funktion |
Beschaffungslager |
Lager für
RHB-Stoffe, Fertigwaren, Werkzeuge,... |
| |
Lager Halbfabrikate |
Zwischenlager
zwischen den Arbeitsprozessen |
| |
Lager Fertigteile |
Vertriebslager für
alle Enderzeugnisse |
| Bauart |
Freilager |
offenes Lager, nicht
eingezäunt |
| |
Halboffenlager |
mit Überdachung,
seitlich offen oder umgekehrt |
| |
Baulager |
von allen Seiten
geschlossen |
| |
Offene Lager |
Witterungsunabhängige Lagergüter werden im Freien mit und ohne
Abdeckung gelagert, z. B. Kies, Holz, Fahrzeuge |
| |
Geschlossene Lager |
Lagergüter, die
durch Sonnenlicht, Wärme, Kälte, Feuchtigkeit gefährdet sind
und/oder einen hohen Wert darstellen, werden in geschlossenen
Räumen gelagert |
| |
Eingeschossiges
Lager |
Alle Lagergüter sind
auf einer Ebene untergebracht; besonders geeignet für schwere
und unhandliche Güter z. B. Baumaterial, Eisen, Maschinen |
| |
Mehrgeschossige
Lager |
Die Lagergüter sind
in mehreren Etagen abgestellt. Dem Vorteil der geringen
Grundstücksfläche stehen die aufwändigeren technischen
Einrichtungen (Aufzüge) und stabilere Bauausführungen gegenüber |
| |
Stapellager |
Stapelbare Güter
werden im mehreren Schichten übereinander gesetzt. Hohe
Lagerhallen, entsprechende Stapler und stabile Verpackung sind
erforderlich |
| |
Hochregallager |
In den meist
eingeschossigen Lagern werden die nicht stapelbaren Lagergüter
in Hochregalen gelagert. Entsprechende Stapler sind
erforderlich. |
| Lagertechnik |
Flachlager |
Bodenlager, ohne
Einrichtung, z. B. Kies |
| |
Blocklager |
stapelfähige
Behälter oder Waren mit Verpackung |
| |
Regallager |
Fachregal,
Palettenlager, Schieberegal,... |
| Technologie |
manuelles Lager |
manuelles Ein- und
auslagern |
| |
mechanisches Lager |
Geräte wie
Gabelstapler |
| |
automatisches Lager |
Förderfahrzeuge
transportieren automatisch die Ware |
| Lagergut |
Stangenlager |
Langgutlager für
jede Art von Stangen |
| |
Blech-/Plattenlager |
Flächenlager für
alle Bleche und Platten |
| |
Stückgutlager |
für Klein- (Schütt-
u. Schaufelware) u. Großteile |
| |
Flüssig- u. Gaslager |
Speziallager für
flüssige und gasförmige Stoffe |
| |
Werkzeuglager |
für
Bearbeitungswerkzeuge in Schutzbehältern |
| |
Büromateriallager |
für alle Materialien
des techn. u. kaufm. Büros |
| Eigentum |
Firmenlager |
Lager für die
eigenen Bestände |
| |
Fremdlager |
|
| Standort |
Innenlager |
Lager innerhalb des
Firmengeländes |
| |
Außenlager |
Lager außerhalb des
Firmengeländes |
| Eigentums- u.
Besitzverhältnisse |
Eigenlager |
Räume und
Einrichtungen gehören dem Eigentümer der Lagergüter. Ein- u.
Auslagerung sowie Überwachung geschieht durch eigens Personal |
| |
Fremdlager |
Die Lagergüter
befinden sich in der Obhut eines gewerblichen Lagerhalters, der
für die sorgfältige Behandlung während der Lagerung und beim
ein- und Auslagern sorgt. |
| Lagerstandort |
Zentrales Lager |
Alle Lagergüter
befinden sich an einem Ort |
| |
Dezentrales Lager |
Die Lagergüter sind
an verschiedenen Orten untergebracht |
| |
Auslieferungslager |
Das Lager wird in
der Nähe der Abnehmer zu deren schnellen Belieferung
eingerichtet |
| Einzelhandel |
Verkaufslager |
Im Verkaufsraum
werden die Waren zur Kundenbedienung und Selbstbedienung
griffbereit in Regalen, Vitrinen, Theken und sonstigen Behältern
bereitgestellt |
| |
Reservelager |
In Nebenräumen
werden die Ware gelagert, die zur Auffüllung des Verkaufslagers
bestimmt sind. |
| Großhandel |
Ausstellungslager |
aus dem Sortiment
wird jeweils ein Stück zur Besichtigung durch den Kunden
aufgehängt (Leuchten) oder aufgestellt (Möbel). die Lieferung
der bestellten Ware erfolgt direkt durch den Hersteller, soweit
sie beim Großhändler nicht vorrätig sind |
| |
Verkaufslager |
Vorratslager des
Großhändlers, aus dem der Kunde in Selbstbedienung die gelagerte
Ware nach Besichtigung entnehmen kann. |
| |
Kommissionslager |
Der Handel erhält
vom Hersteller Waren geliefert, die erst nach dem Verkauf mit
dem Hersteller abgerechnet werden z. B. Buchhandel |
| |
Konsignationslager |
Lager beim Abnehmer.
Ware wird erst nach Entnahme aus dem Lager mit dem Lieferanten
abgerechnet. |
| Industrie |
Materiallager |
Rohstoffe,
Hilfsstoffe, Betriebsstoffe, Fertigteile, Ersatzteile werden für
die Produktion bereitgehalten |
| |
Zwischenlager |
Produktionsbedingte
Lagerung unfertiger Erzeugnisse und die vorübergehende Sammlung
von Abfall und Ausschuss vor dem Abtransport zur Entsorgung |
| |
Handlager |
Bereitstellung von
Material und Werkzeugen am Arbeitsplatz (Werkstatt) |
| |
Versandlager |
Aufbewahrung
fertiger Erzeugnisse, soweit sie nicht sofort an den Kunden
ausgeliefert werden. Vorratshaltung für Verpackungsmaterial |
| Verkehrsbetrieb |
Sammellager |
Lager des
Sammelspediteurs zur Vorbereitung eines rationellen Transports
durch optimale Auslastung der eingesetzten Fahrzeuge und
Container |
| |
Umschlaglager |
Lager eines
Verkehrsunternehmens zur vorübergehenden Aufbewahrung von Gütern
im Zusammenhang mit dem Wechsel des Transportmittels
(LKW-Bahn-Schiff) |
| |
Zolllager |
Importierte Ware
wird bis zur zollamtlichen Abfertigung unter Verschluss
gehalten. |
Entscheidende
Kriterien für die Wahl der Lagerart
- Art der Materialien (z. B. Gewicht,
Gefahrengut...)
- Mengenaufkommen
- Größe der Materialien
- Verderblichkeit
- Kosten/Finanzmittel
- Fläche
- Vorschriften für die Lagerung
Lagergestaltung
Handlager
Kennzeichen:
- manuell unterhaltenes Lager, das betrieben wird
ohne Einsatz von Staplern
- Einsatz von Leitern, Handkarren,
Kommissionierbehältern
- Lagerung von handlichen Gütern
Konventionelles
Regallager
Kennzeichen:
- eingeschossiges Lagergebäude, dessen Stapelhöhe
max. 12 m betragen kann
- Gangbreitenbedarf i. d. R. weniger als 1,50 m
- Regalkonstruktion ist nicht gebäudetragend, d. h.
Schneelasten, Windkräfte usw. werden über Stützen und Wände des
Gebäudes in die Fundamente geleitet
- Lagerung von Gütern mit sehr unterschiedlichen
Verpackungsarten und Stapeleigenschaften. Es kann von vornherein für
die Lagerung bestimmter Güterformen und Verpackungsgrößen konzipiert
werden.
Vorteile
- geringer Investitionsaufwand
- hohe Flexibilität bei anderweitiger Nutzung,
Erweiterung bzw. Veränderung des Sortiments
- wahlfreier Zugriff
Nachteile
- hoher Grundflächenbedarf
- hohe Betriebskosten
Durchlauflager
Kennzeichen
- bestehend aus einzelnen Durchlaufkanälen mit
eingebauten Förderern
- Ware wird an einer Seite z. B. mittels
Gabelstapler, Verteilwagen eingelagert und an der anderen Seite
erfolgt die Entnahme. Die Ware rollt durch den Fachkanal. Diese
Methode unterstützt das Fifo-Prinzip (Fifo = First in, first out)
- Einsatz bei kleinem Sortiment und großer Anzahl
Lagereinheiten.
Vorteile
- hoher Volumennutzungsgrad
- Mechanisierung/Automatisierung der Ein- u.
Auslagerungsprozesse möglich
Nachteile
- teure Regalkonstruktion, mit Rollenförderern
- schlechter Füllgrad
- kein wahlfreier Zugriff
- pro Kanal nur ein Artikel
Hochlager
Kennzeichen
- eingeschossiges Regallager, wobei die Regale als
tragende Konstruktion ausgebildet sind, d. h. Dach und Seitenwände
tragen
- Höhe ab 12 m bis zu 40 m, Länge bis zu 200 m
- Bedienung erfolgt durch schienengebundene
Regalförderzeuge oder Hochregalstapler
- Ware wird nur auf Paletten oder in bestimmten
Behältern eingelagert und kann nur anhand dieser auch entnommen
werden
Vorteile:
- hoher Volumennutzungsgrad
- wahlfreier Zugriff
- hohe Umschlagsleistung
- geringer Grundflächenbedarf
Nachteile
- durch hohe Mechanisierungs- u.
Automatisierungsgrad hohe Störanfälligkeit
- hoher Investitionsbedarf
Lagerordnung
Systematische
Lagerhaltung (Festplatzsystem)
Jedes Teil hat einen ihm fest zugewiesenen Platz.
Fehlt dieses Teil, bleibt der Platz leer. Diese Anordnung ist notwendig,
wenn Menschen die Lagerverwaltung (Lagerplatz bestimmen, einlagern,
auslagern) übernehmen. Ein Lagerplan enthält Angaben darüber
- welche Ware
- an welchem Ort
- seit wann lagert
Nachteil:
Erheblich mehr Lagervolumen notwendig
Vorteil:
Zeiten für Ein- u. Auslagerung halten sich in vertretbarem Rahmen
Chaotische
Lagerhaltung (Freiplatzsystem)
Nur sinnvoll unter EDV-Verwaltung, in der Regel in
Verbindung mit Hochregallagern. Bei der Einlagerung passiert die Ware
auf einem Fördersystem den sogenannten i-Punkt. Dort wird der
Warenbehälter identifiziert und der nächstgelegene freie Lagerplatz
ermittelt. Dabei achtet das System darauf, dass mehrfach vorhandene
Waren auf unterschiedlichen Hochregalgasen verteilt werden, damit im
Falle eines defekten Fördersystems die Ware aus einer anderen Regalgasse
entnommen werden kann. Es besteht kein Zusammenhang zwischen Ware und
Lagerort, d. h. nur das EDV-System weiß im Falle der Auslagerung, wo das
benötigte Lagergut zu finden ist. Ein fester Lagerplan ist daher
unsinnig.
Vorteil:
Bestmögliche Ausnutzung des verfügbaren Lagerraums
Nachteil:
Transportsystem, EDV-Ausstattung sehr aufwendig
Lagerverwaltung
Materialeingang
Die Materialien jeder Lieferung durchlaufen folgende
Bearbeitungsschritte:
- Annahme
- Identitäts- und Mengenkontrolle
- Qualitätskontrolle
- Erstellung/Bearbeitung der Wareneingangspapiere
- Verbuchung des Wareneingangs
- Einlagerung
Qualitätsprüfung
- Umfang der Qualitätsprüfung
- Häufigkeit
wie oft sollen Lieferungen geprüft werden? Jede Lieferung, jede
2., jede 5.,...
- Umfang
welche Menge soll geprüft werden? 100%, 50%, 10%...
- Stichprobenprüfung
Untersuchung einer Stichprobe, bei Überschreitung einer
festgelegten Fehlerzahl wird die gesamte Lieferung
zurückgeschickt
- Art der Qualitätsprüfung
- Attributsprüfung ("Gut/Schlecht-Prüfung")
Lässt keine Schwankungen zu
Entspricht ein Prüfmerkmal der vorgeschriebenen Qualitätsnorm?
- Variablenprüfung ("Messen")
Lässt Schwankungen zu
Liegt ein Prüfungsmerkmal in einem bestimmten Toleranzbereich?
(IST-Wert -> Grenzwert)
- Ablauf der Qualitätsprüfung
- Infobereitstellung für den Prüfvorgang (z. B.
Toleranzen)
- Festlegung der Prüfvorschriften u.
Prüfverfahren
- Festlegung der Prüfmittel (Maßbänder,
Waage...)
- Dokumentation der Prüfergebnisse
Nach Abschluss der Prüfarbeiten werden Prüfberichte
erstellt, diese werden im Reklamationsfall auch den Lieferanten
mitgeteilt.
Die Fertigmeldung löst dispositive Tätigkeiten und
Entscheidungen aus:
- Verbuchung und Freigabe, Einlagerung der
unbeanstandeten Lieferungen
- Reklamation fehlerhafter Einzelteile, Korrektur
in der Disposition
- Löschung noch offener Bestellungen und Anweisung
zur Zahlung
- Entscheidung weiterer Maßnahmen bei fehlerhafter
Lieferung (Annahme, Rückgabe, Schrott...)
Einlagerungs- und
Ausgabenmethoden
- Einlagerung nach dem Verrichtungsprinzip
Einlagerung nach Produktionsstufen
- Einlagerung nach dem Objektprinzip
Einlagerung nach Materialgruppen
- Ausgabe nach dem Holprinzip
Mitarbeiter in Fertigung holen die Ware
- Ausgabe nach dem Bringprinzip
Mitarbeiter in Fertigung bekommen die Ware gebracht
Bestandsführung
In der Bestandsführung werden Zu- und Abgänge erfasst.
So wird stets der aktuelle Lagerbestand ermittelt.
- Mengenerfassung
welche Mengen befinden s ich im Lager
- Fortschreibung
- Inventur
- Rückrechung
- Werterfassung
wie hoch ist der Wert der gelagerten Güter
- Anschaffungswert
- Wiederbeschaffungswert
- Tageswert
- Verrechnungswert
-
Bestandsüberwachung
Kontrolle für Lieferfähigkeit
- Verfügbarkeitsüberwachung
- Bestandsmanagement
- Sperrlager
- Kennzahlen
der
Lagerhaltung
Zur Kontrolle der Wirtschaftlichkeit
Mengenerfassung
Fortschreibungsmethode (Skontrationsmethode)
- Erfassen der Lagerzugänge durch Lieferscheine
- Erfassen der Lagerabgänge durch
Materialentnahmescheine (Entnahmedatum, Kostenart, Kostenträger,
Kostenstelle)
- In der Regel Einsatz von EDV üblich
- Ermittlung des buchmäßigen Lagerbestandes
Inventur
- gesetzlich vorgeschrieben (bei Gründung, 1x
jährlich, bei Veräußerung oder Geschäftsaufgabe)
- körperliche Bestandsaufnahme aller Vermögensteile
und Schulden nach Art, Wert, Menge
- Ermittlung des IST-Bestandes (Soll-Ist-Vergleich)
- Ursachenvorschung für Inventurdifferenzen
- Sortimentsbereinigung
Inventurarten
Stichtagsinventur
- zum Ende des Geschäftsjahres (10 Tage vor- oder
nach Bilanzstichtag)
Verlegte
Inventur
- zum Ende des Geschäftsjahre (3 Monate vor - 2
Monate nach Bilanzstichtag)
Rückrechnung und Fortschreibung zum Bilanzstichtag)
Permanente
Inventur
- jede Warenbewegung wird sofort erfasst
(Warenwirtschaftssystem)
- mind. 1x jährlich muss eine körperliche
Bestandsaufnahme erfolgen
Stichprobeninventur
- Aufnahme einer Stichprobe (muss repräsentativ
sein)
- anhand math. Verfahren wird auf Endwert
hochgerechnet (Sand, Schrauben)
Rückrechnung
(Retrograde Methode)
Der Verbrauch wird aus den Endprodukten errechnet
anhand von Stücklisten
(Zerlegung des Produktes in Einzelteile und Baugruppen)
Werterfassung
Anschaffungswert
Bewertung nach Einstandspreisen/Durchschnittswert
Wiederbeschaffungswert
Schätzung der Wiederbeschaffungspreise zum Zeitpunkt des Verkaufs des
Endproduktes
Tageswert
Aktueller Marktpreise, heute
Verrechnungswert
Durchschnittswert zwischen Einstandspreises und Wiederbeschaffungspreise
Ziel: konstante Kostenrechnung
Bestandsüberwachung
Verfügbarkeitsüberwachung
- Sicherstellung einer störungsfreien Produktion
- Vermeidung von Maschinenstillstandszeiten
- Vermeidung von Personalkosten gegen
Nichtbeschäftigung
Bestandmanagement
- Kontrolle von Unterdeckung/Überdeckungen
- Kontrolle von Mindestbeständen/Höchstbeständen
Sperrlager
- enthält nicht freigegebene Materialien
- enthält Materialien/Teile, bei denen die
Qualitätsprüfung noch nicht abgeschlossen ist
- in der Regel Zutritt nur für bestimmte Personen,
zum Schutz dass diese Artikel nicht in den Fertigungsprozess
gelangen
- aus Kostengründen sollte die Lagerzeit im
Sperrlager kurz gehalten werde, d. h. schnelle Entscheidungen über
Weiterverwendung der Materialien erforderlich
Lagerkennzahlen

Innerbetrieblicher Transport
Zwischen den Punkten - Materialeingang und Ausgang
Endprodukt - muss das Material in der Regel gelagert und bewegt werden.
Die Aufgaben der Lagerung und innerbetrieblicher Transport müssen daher
zusammengesehen werden.
Transporte stellen keine Wertschöpfung dar! Daher sind
sie möglichst zu vermeiden (Transportkostenminimum).
Ein optimaler Materialfluss ist zunehmend eine
Grundaufgabe der Materialwirtschaft. Dabei werden nicht nur die
optimalen routen, die optimalen Lagerorte, sondern auch das
wirtschaftlichste Fördermittel festgelegt.
Fördermittel/Transportmittel:
-
Stetigfördermittel
fest installierte Fördereinrichtungen, sie fördern kontinuierlich
Beispiele: Rollenbahnen, Fließbänder, Rutschen, Fallrohre
-
Unstetigfördermittel
Wege und Richtungen sind variabel
- Hebezeuge
(Flurfreie Förderzeuge)
bewegen sich nicht am Boden
Beispiele: alle Arten Krane, Aufzüge, Hebebühnen
-
Flurförderzeuge
bewegen sich am Boden
Beispiele: Stapler, Hubwagen, Handkarren, Fahrerlose
Transportsysteme
Förderhilfsmittel
Förderhilfsmittel dienen dem optimalen Materialfluss,
und sollen die
- Ladetätigkeit optimieren und Ladegüter schützen
- Transport als ganzes rationalisieren und
sinnvolle Lagereinheiten schaffen
Ladeeinheit, Transporteinheit und Lagereinheit sollten
identisch sein! (z. B. Container, Paletten, Gitterboxen, Fässer,
Kanister, Säcke...)
Kennzahlen des innerbetrieblichen Transports

Außerbetrieblicher Transport
die Wahl der Transportmittel wird bestimmt durch
- Produkteigenarten (hitzeempfindlich,
feuergefährlich, zerbrechlich)
- Transportkosten (z. B. gestaffelt nach
Entfernung, Schnelligkeit, Umfang bzw. Gewicht der Sendung)
- Transportrisiko (abhängig von Produkteigenart,
wird durch Transportversicherung abgedeckt)
- Transportzeiten
Straßengüterverkehr
80% der transportierten Warenmenge wird auf den
Straßen befördert
Man unterscheidet:
- Güternahverkehr (Umkreis 75 km,
Genehmigungsurkunde erforderlich)
- Güterfernverkehr (Güterbeförderung ab 75 km,
Konzession erforderlich)
- Güterlinienverkehr (regelmäßige Güterbeförderung
auf bestimmten Linien)
- Werksverkehr (Güterbeförderung mit eigenen
Fahrzeugen für den Eigenbedarf, nicht genehmigungspflichtig)
- gewerblicher Verkehr, wenn Fremdfirmen den
Transport tätigen
Gesetzliche Grundlage bildet das
Güterkraftverkehrsgesetzt (GüKG) und die Kraftverkehrsverordnung (KVO).
Die Beförderungspreise und Beförderungsbedingungen
müssen in Beförderungstarifen zusammengestellt werden.
Schienengüterverkehr
Leistungen der
Deutschen Bahn AG:
- Ganzzugsverkehr (Transport der Güter erfolgt in
einem gesonderten Zug)
- Wagenladungsverkehr (Transport der Güter erfolgt
in einem Güterwagen)
- Kombinierter Verkehr (Transport auf Schiene und
Straße)
Leistungen der DB
Cargo (Tochter der Deutschen Bahn AG):
Stellt für jedes Transportproblem ihrer Kunden eine
individuelle Lösung zur Verfügung (z. B. Ladungsverkehr mit Kühlwaggons,
Tankwaggons, kombinierter Verkehr mit Tragwagen für Container,
Taschenwagen für Sattelaufleger). In Zusammenarbeit mit anderen
Dienstleistern organisiert sie auch Übersee-Containerverkehr und
internationalen Land-Containerverkehr.
EURAIL-Cargo
Verbindung europäischer Wirtschaftszentren durch
Linienzüge. Bis zu einer Entfernung von 1500 km soll eine termingetreue
Anlieferung in zwei Tagen gewährleistet werden.
Die Beförderungskosten sind jeweils abhängig vom
Gewicht, der Entfernung, der eingesetzten Beförderungsmittel und der
Leistung (z. B. Expressgut).
Luftfrachtverkehr
Beförderung von Güter mit Fracht- bzw.
Passagierflugzeugen. Besonders geeignet für die Luftfracht sind
eilbedürftige, empfindliche und wertvolle Güter. Im Linienverkehr werden
die Frachttarife von der IATA (International Air Transport Association)
geregelt.
Die Fluggesellschaften haften für alle Schäden, auch
für Schäden durch höhere Gewalt.
Binnenschifffahrtsverkehr
Versandarten bei der Binnenschifffahrt sind
- Charterung, d. h. das ganze Schiff oder ein
bestimmter Schiffsraum werden gemietet (insbesondere geeignet für
den Transport von Massengütern wie Kohle)
- Stückgut, d. h. einzelne Güter werden befördert
wie z. B. Maschinen
Seeverkehr
- Linienschifffahrt (regelmäßiger Schiffsverkehr
nach Fahrplan auf bestimmten Routen; überwiegend Stückgüter)
- Trampschifffahrt (unregelmäßiger Schiffsverkehr,
befördert überwiegend Massengüter)
Entsorgung und Wiederverwertung
Notwendigkeit der
Entsorgung
Mit dem Verkauf der Produkte an die Konsumenten ist
die Versorgungsaufgabe der Wertschöpfungskette zunächst erfüllt.
Umweltbewussten Kundenforderung und gesetzliche
Vorschriften haben zur Einführung einer Kreislaufwirtschaft geführt.
Die Entsorgungslogistik als noch junger Teil der
Logistik hat die Aufgabe die Entsorgungsprozesse zu gestalten. D. h. die
"Abfälle zur Verwertung" und die "Abfälle zur Beseitigung" zu behandeln,
wiederzugewinnen oder zu entsorgen. Hierbei steht zunächst die
Vermeidung und Verringerung von Abfall im Vordergrund; vor der
Beseitigung, insbesondere auch aufgrund der knappen Ressourcen.
Um den stark steigenden Entsorgungskosten
entgegenzuwirken sind Konzepte notwendig, welche insbesondere das
Verhältnis zwischen Verwertungskosten (Aufbereitung, Sammeln, Sortieren,
Lagern, Transportieren, Umschlagen, Verpacken) und Beseitigungskosten
(Deponierung, Kompostierung, Verbrennung) betrachten.
Entsorgung von
Abfällen in der Prozesskette
Das Kreislaufwirtschafs- und Abfallgesetz fordert
möglichst viele Materialeinsatz in einem Stoffkreislauf zu halten und
möglichst wenig Ausscheidungen aus dem Produktionsprozess zuzulassen.
Abfälle:
Alle beweglichen Sachen, derer sich der
Besitzer entledigt, entledigen will, entledigen muss.
Abfall zur
Verwertung:
- Ausschusswaren (bei Zwischen- oder Endprodukten),
die nicht den Qualitätsanforderungen entsprechen
(Reparaturaustauschteile, Retouren, Produkte nach Verfalldatum).
- Altprodukte werden nach dem Gebrauch (Verschleiß,
techn. Überalterung) dem Stoffkreislauf ganz oder teilweise
zurückgeführt.
- Verpackung (dienen dem Schutz der Ware, der
Lieferung, der Darbietung)
- Produktionsbedingte Abfälle (Verschnitt, Späne)
- verbrauchte Einsatzstoffe (Schmiermittel,
Farbreste).
Abfall zur
Beseitigung:
Abfälle, die nicht verwertet werden - Restabfälle.
(Deponierung, Kompostierung, Verbrennung, Endlagerung)
Für die sach- und fachgerechte Behandlung der Abfälle
stehen Dienstleistungsbetriebe zur Verfügung, welche verpflichtet sind
den Verbleib der Abfälle lückenlos zu dokumentieren.
Arten des Recycling:
- Wiederverwendung
ist die wiederholte Verwendung eines Produktes für den für die
Erstanwendung vorgesehen Verwendungszweck (Pfandflasche)
- Weiterverwendung
ist die Nutzung eines Produktes für eine von der Erstanwendung
andere Verwendung für die es nicht hergestellt ist (Senfglas als
Trinkglas)
- Weiterverwertung
ist der Wiedereinsatz von Stoffen in bereits früher durchlaufene
Produktionsprozesse (Altglaseinsatz)
- Wiederverwertung
ist der Einsatz von Stoffen in noch nicht durchlaufene
Produktionsprozesse unter Umwandlung zu neuen Produkten (Altpapier
zu Möbeln)
Aufgabe der
Unternehmen bei der Produktionsplanung:
Optimale Gestaltung der Produktionsabläufe und
optimale Produktgestaltung zur
- Vermeidung von Abfällen
- Verminderung von Abfällen
- Verwertung von Abfällen, soweit nach dem Stand
der Technik möglich
- Beseitigung von Abfällen
unter dem Aspekt der Kostenvermeidung
Risiken:
Unternehmen können Abfall als Wirtschaftsgut
deklarieren und exportieren. Dabei muss der Empfänger bestätigen, dass
der Abfall weitergenutzt oder verarbeitet wird.
Problem der Wirtschaftlichkeit bei der
Wiederverwertung (insbesondere im Kunststoffbereich stellt es sich als
schwierig dar kostendeckend neue, absetzbare Produkte herzustellen).
Aufgrund des Export-Verbots in EU-Länder besteht
Gefahr des illegalen Müllexports (oft müssen die Abfälle zu hohen Kosten
wieder zurückgeholt werden)
Ein- und
Mehrwegsysteme in der Entsorgung
Nach den Vorschriften der Verpackungsverordnung müssen
Verpackungen nach Gebrauch zurückgenommen werden und einer neuen
Verwendung oder stofflichen Verwertung außerhalb der öffentlichen
Abfallentsorgung zugeführt werden.
Hierbei können unterschieden werden:
- Transportverpackung
- Umverpackung
- Verkaufsverpackung
Verpackungssysteme
- Einwegsysteme
Vorteile:
geringe Herstellungskosten, niedriges Gewicht, keine Reinigung,
einfache Distribution, individuelle Gestaltung
Nachteile:
Ökologische Belastung, Förderung des Wegwerfverhaltens,
Deponiebelastung, Abnehmende Akzeptanz
- Mehrwegsysteme
Vorteile:
Wiederverwendung, Mangelnde Individualität (Markenartikel),
Kompatibel zur Gesetzgebung (Vermeidung), Poolbildung
Nachteile:
Kapitalbindung, Rückführungs-, Reparatur-, Verwaltungs- u.
Reinigungskosten
-
Firmeninterne
Systeme
z. B. Karstadt hat faltbare Mehrwegtransport-Verpackungssysteme
entwickelt, die den Lieferanten zur Verfügung gestellt werden
-
Branchenspezifische
Systeme
z. B. Euro Fleischkasten für die Fleischwarenindustrie,
Euro-Juice System (EJS) für Mehrwegflaschen für Fruchtsaft
- Offene
Systeme
z. B. Europalette (Holz, 120 x 80 cm)
|